Einige haben schon in der letzten Generation befürchtet, dass einer der Konsolenhersteller nicht mehr weitermachen würde. Jetzt geht der Dreikampf in die zweite Runde.

Konkurrenz belebt das Geschäft! Manche glauben an diesen Satz, ohne sich je Gedanken zu machen, ob er tatsächlich in jeder Beziehung zutrifft. Sind die Konsolen durch mehr Konkurrenz günstiger geworden? Zwar haben Nintendo und Microsoft ihre Konsolenpreise schnell senken lassen, aber die Xbox hat am Anfang immens viel gekostet und kostet nach einer zusätzlichen Subvention immer noch eine Menge – zumindest für eine Weile. Außerdem kaufen Multikonsoleros (Spieler mit mehreren Konsolen) nun drei Konsolen und haben dennoch nicht mehr Spiele als zuvor, ja nicht einmal ein größeres Spielangebot, da die Spielefirmen nicht mehr Spiele machen, sondern ihre Reihen einfach unter den drei Konsolen aufteilen oder sie zu Multiplattformtiteln machen. Die Spiele wurden nicht günstiger, außer bei den Xbox-Titeln, die am Anfang bis zu 10 € mehr gekostet haben als jene für Cube oder PS2. Am meisten Geld haben die Konsolenhersteller bei der Hardware verloren, indem sie ihre Konsolen subventionierten. Für den Gelegenheitsspieler mag diese großzügige Geste toll sein, da sie sich so für wenig Geld eine Konsole leisten können. Aber für die Vielzocker bringt eine Preissenkung der Hardware wenig, weil er die Konsole meistens recht früh kauft.

Bisher hat Microsoft am meisten Geld in diesem Geschäft verloren, während Sony und Nintendo schwarze Zahlen schreiben können. Nun möchte Microsoft die Konkurrenten links überholen und brachte die neue Konsole „Xbox 360“ schon Ende 2005 raus. Dabei ist der Vorgänger der 360 nur knapp vier Jahre auf dem Markt und hätte technisch gesehen noch eine Menge Potenzial, das bisher nur von wenigen Titeln ausgeschöpft worden ist. Microsoft hat die Konsolenzyklen kürzer gemacht, denn Nintendo und Sony dürfen ihrem Konkurrenten keinen zu großen Vorsprung geben und legen im Winter 2006 nach. Für die Spieler bedeutet dies, dass sie sich wieder neue Konsolen zulegen müssen, obwohl sie erst mit den vorherigen Konsolen gerade warm geworden sind. Außerdem ärgern Microsoft und Sony den Spieler mit hohen Preisen, sowohl die Hardware als auch die Software kosten mehr als bisher. Die Hoffnung, dass bei einem Dreikampf die Hersteller zu tieferen Preisen gezwungen werden würden, hat sich nicht bewahrheitet! Zwar zwingt die Konkurrenzsituation den Herstellern dazu, ihre Konsolen unter Wert zu verkaufen, dennoch kosten speziell die Konsolen von Microsoft und Sony mehr als früher. Dabei verschlimmern sie die Situation durch die Teilung ihrer Konsolen in zwei Versionen.

So verbittert die Hersteller um Marktanteile kämpfen, wird wahrscheinlich mindestens eine der drei Konsolenfirmen rote Zahlen schreiben müssen. Für Sony und Microsoft spielen Marktanteile eine größere Rolle als der finanzielle Gewinn, weil andere Geschäftsbereiche mitinvolviert sind: Sony will Blu-Ray groß rausbringen, der PSP mit der PS3 einen Schub geben und das Online-Geschäft ankurbeln; Microsoft ihrerseits möchte die HD-DVD unterstützen und das Online Gaming zwischen PC und Konsole vereinheitlichen. Angesichts der Kriegskasse Microsofts hat sich Nintendo für einen völlig anderen Weg entschieden und versucht mit einer technisch soliden, aber nicht überragenden Konsole gleich zu Beginn alle möglichen Spieler zu überzeugen – und nicht nur die Vielzocker! Diese Strategie kann aufgehen, aber Nintendo riskiert auch eine Menge, nicht zuletzt die Unterstützung durch die Dritthersteller hängt von der Resonanz in den ersten zwei Jahren ab.

Werden wir also den Fall eines Konsolenherstellers miterleben? Wahrscheinlich nicht, dafür sind Microsoft, Sony und Nintendo zu mächtig und das Geschäft zu lukrativ, um es aufzugeben. Aber finanzielle Niederlagen und Verluste der Marktanteile einer oder zwei der Firmen sind möglich. Die Spieler wiederum müssen befürchten, dass der Verlierer in der nächsten Konsolengeneration wiederum auf einen kurzen Konsolenzyklus drängt, um vor der Konkurrenz auf dem Markt zu sein. So viel zu „Konkurrenz belebt das Geschäft“.