Nach Rot/Grün/Blau, Gold/Silber, und Rubin/Saphir kommen nun Diamond und Pearl. Eine Betrachtung des Phänomens

Niemand hat den Erfolg vorausgeahnt, als Nintendo zusammen mit Game Freak das „Game Boy“-Spiel Pokémon herausbrachte: Ein in zwei Versionen geteiltes Spiel, dessen zentrales Element die „Pocket Monster“ sind, von denen es ganze 150 verschiedene Exemplare gibt. Nintendo wollte den Game Boy schon zum Ruhestand schicken, doch das Spiel sorgte für derart hohe Absätze, dass es ganz alleine für den zweiten Frühling des Game Boys verantwortlich ist. Ebenso unerwartet kam die weltweite Resonanz: Zunächst als japanisches Phänomen unterschätzt, eroberte das Spiel auch in den USA und in Europa grosse Marktanteile.

Nun geht Nintendo mit der Diamant- und Perl-Edition in die vierte Runde, wenn man die Zusatzversionen wie Pokémon Gelb, Krystal, Blattgrün/Feuerrot und Emerald nicht dazuzählt. Obwohl Nintendo mit jeder Version horrende Absatzzahlen erreicht, zeigt die Tendenz langsam nach unten: Am besten sieht man dies in Japan, wo die erste grüne und rote Version sich weit über 10 Millionen Mal verkauften, während Rubin und Saphir knapp unter 6 Millionen blieben. Diese Zahl hebt sich immer noch deutlich von den restlichen Spielen ab, nichtsdestotrotz sinkt die Nachfrage langsam, aber stetig. Mit Diamant und Perle kann Nintendo diesen Trend stoppen. Die Behauptung ist nicht gewagt, sondern gründet auf die Stärken der neuen Editionen.

Wohl hat Game Freak als Entwickler stets versucht, mit jeder neuen Edition die Spielmechanik zu verbessern und das Spiel interessanter zu machen. Dennoch scheinen viele Spieler genug von der Reihe zu haben. Was weisen also Diamond und Pearl auf, das die Reihe wieder neues Leben bringen kann? Beginnen wir mit der Technik: Die beiden Editionen kommen für den DS raus und nützen die im Vergleich zum 2D- und 3D-Grafik sieht. Ausserdem bietet der DS Stereo-Sound. Nicht spektakulär? Richtig, viele Spieler bemängeln die Grafik, denn trotz Verbesserungen dient sie bloss dem Zweck.

Richtig in Fahrt kommen aber die beiden Editionen bei DS-spezifischen Eigenschaften: Weil der DS einen GBA-Slot hat, können Spieler ihre Pokémon von den GBA-Spiele übertragen, das heisst von Rubin, Saphir, Feuerrot, Blattgrün und Emerald. Ohne Zweifel können Diamond und Pearl diesbezüglich gegen Rubin und Saphir punkten und hoffen, dass die bisherigen Spieler dadurch zum Spielen motiviert sein werden. Ausserdem kommen neue Spielelemente dank dem Touchscreen hinzu, unter anderem ein Armbanduhr mit verschiedenen Funktionen. Ebenso dürfen das kabellose Tauschen und Kämpfen mit Freunden viele Spieler überzeugen. Der grösste Trumpf aber macht die beiden wirklich mächtig: Der DS gewährt Kämpfe und Tausch auch online! Wie stark dieses Feature auf die Verkaufszahlen wirkt, kann niemand bisher genau sagen, aber da Pokémon von Kämpfe und Tausch lebt und der Onlinedienst diese beide Elemente fördert, sollen wir geringere Verkaufszahlen als Rubin und Saphir nicht erwarten. Der Erfolg von Animal Crossing und Mario Kart DS beweist, dass kostenlose Onlinegaming durchaus verkaufsfördernd wirkt.

Der DS selber hilft Diamond und Pearl ungemein, zumindest in Lites zur Verfügung stellt.