Viele Fans hoffen auf Nachfolgerspiele von vielen beliebten Nintendo-Franchises. Allerdings werden die meisten Fortsetzungen von externen Teams entwickelt: Outsourcing à la Nintendo.

Outsourcing, also das Auslagern eines Unternehmens, wird in der globalen Wirtschaft praktiziert, um meistens Kosten zu sparen. Zum Beispiel setzen Manager von grossen Firmen auf die günstige Produktion in Entwicklungs- und Schwellenländern, weil die Löhne dort um ein Mehrfaches niedriger liegen. Auch Nintendo setzt auf Outsourcing in diesem Sinne, indem sie die Hardwareproduktion von Japan nach China verlagerte. Aber Nintendo praktiziert Outsourcing nicht nur auf herkömmliche Weise: Seit der Jahrtausendwende setzt Nintendo vermehrt auf die Lizenzvergabe an Dritthersteller und die Franchiseführung durch ihren Second-Party-Entwicklern. Nicht Kostenreduktion steckt hinter dieser Motivation, sondern die Tatsache, dass Nintendo zu viele erfolgreiche Spielreihen hat und sie nicht alle alleine fortsetzen kann.

Obwohl Nintendo ihre berühmteste Tochterfirma[1] Rare am Anfang der Cube-Ära verkauft und eine weitere namens Silicon Knights ziehen lassen hat, produziert sie so viele Spiele wie noch nie. Die Strategie hat sich geändert: Weg von der teuren Struktur mit Second-Parties hin zu flexibleren Beziehungen mit Drittherstellern. Wohl hat Nintendo noch Second-Parties, doch behält sie nur solche mit guten Verkaufsergebnissen oder eher kleinere Firmen. Die englische Softwareschmiede Rare hingegen kostete zu viel in der Softwareentwicklung und lieferte zu wenig gewinnbringende Spiele. Die neue Strategie lautet: etablierte, aber im Bezug auf die Verkaufszahlen stagnierende Spielreihen an Drittherstellern auslagern! Dabei kommen sowohl grössere als auch kleinere Entwicklerfirmen in Frage, das heisst sowohl grössere wie Sega, Namco oder Konami als auch kleinere wie Tose oder Fuse Games. Die Kontrolle behält Nintendo, denn die Entwicklerteams besprechen regelmässig mit Nintendos Produzenten und deren Mitarbeiterstab über die Entwicklung.

Nicht alle Vielzocker finden an dieser Strategie gefallen: Sega entwickelte mit Nintendo das Spiel F-Zero GX, und das Resultat entzückte viele Fans, denn viel besser könnte Nintendos EAD das Spiel nicht machen. Hingegen enttäuschte Namco mit Starfox Assault, das spielerisch nicht an den Vorgängern der Serie heranreicht. Auch andere Firmen liefern mal gute, mal mässige Spiele – sehr schlechte Produktionen weiss die nintendoeigene Qualitätskontrolle zu verhindern. Die Puristen unter den Vielzockern müssen leider damit leben, dass die Auslagerung ihrer geliebten Reihen kaum rückgängig gemacht werden kann – stattdessen setzt Nintendo in letzter Zeit noch energischer auf diese Strategie.

Was bedeutet diese Strategie für die Spieler? Natürlich möchten einige gerne sehen, dass EAD um bestimmte Spielreihen kümmern sollten. Die Auslagerung dieser Spieler an externen Firmen schont jedoch Nintendos eigene Ressourcen, die sie für die Entwicklung Wii mit genügend Softwares versorgen muss. Die kleinen Firmen können wiederum ihre Hilfe gut gebrauchen, um Erfahrung mit der Softwareentwicklung für den DS oder für die Wii zu bekommen. Für die Spieler bedeutet diese Strategie im Endeffekt, dass mehr Spiele für sie zur Verfügung stehen – wenn auch nicht direkt von Nintendos Entwicklerteams.


[1] Ein besseres deutsches Wort für Second Party habe ich nicht finden können.