Dezember 2006: alle drei Heimkonsolen sind auf dem Markt. Wer wird die nächste Konsolengeneration anführen? Eine Kolumne über Engpässe und unerwartete Wendungen.

Die Next-Generation der Videospiele fing in Japan mit der 360 an – wie in den USA und in Europa auch. Anders als in den USA ist die 360 bis heute jedoch nie mehr als ein Randnotiz, bis November 06 hat sich die Konsole nur etwas mehr als 150'000 mal verkauft. Der Kampf um die Konsumenten in Osten beginnt deshalb erst mit der Veröffentlichung der PS3 und die Wii.

Die PS3 ist begehrt – eine dämliche Untertreibung! Leute standen stundenlang, nur um eine Konsole zu ergattern. Die Nachfrage bleibt wahrscheinlich bis am März sehr hoch, das Angebot allzu knapp: Angeblich wird Sony pro Woche rund 100'000 Geräte an den Handel ausliefern können, der Launch selber umfasst ebenfalls 100'000 Einheiten. Und damit hat Sony ein Problem, obwohl Nintendo erst in Dezember die Wii veröffentlicht.

Die Situation ist reichlich grotesk, denn seit langem diskutieren Fans über die Stärken und Schwächen der drei Konsolen, in vielen Internet-Foren sinnieren sie über die zukünftige Verteilung zwischen PS3, Wii und 360 – aber wer hätte gedacht, dass Sony und Microsoft an der ungenügenden Produktion stolpern würden? Microsoft zum Beispiel konnte nur in Japan genügend Geräte ausliefern, weil dort die Nachfrage so gering war und ist. Der weltweite Vorsprung der 360 bleibt bis Ende Oktober bescheiden: Nur in den USA macht Microsoft ein respektables Geschäft, in Europa ist die Nachfrage gering, und in Japan wie schon erwähnt miserabel. Sonys PS3 hätte trotz des hohen Preises relativ schnell an die Verkaufszahlen der 360 heranziehen können, scheitert aber ebenso an die aufwändige und zu langsame Produktion. Zieht die Produktion in den nächsten Monaten nicht an, wird die PS3 für eine sehr lange Zeit chronisch knapp bleiben und es schwer haben, eine grosse Spielergemeinde zu etablieren. Nintendos Konsole scheint als einzige in der Lage sein, halbwegs genügend Geräte bereitzustellen – allerdings wird auch Nintendo die Nachfrage kurzfristig nicht befriedigen können.

In der Hitze des Teraflops-Gefechts haben die Ingenieure der Firmen Sony und Microsoft offensichtlich vergessen, dass man die Geräte nicht nur mit viel Leistung und einem guten Preis/Leistungsverhältnis ausstatten soll, sondern die Konsolen müssen auch hergestellt werden! Und zwar möglichst zügig, weil eine grosse Produktion nicht nur die anfängliche Nachfrage befriedigt, sondern weil die Massenproduktion selber die Bedingung darstellt, dass der Herstellungspreis niedrig bleibt. Ob Nintendo dieses Problem voraussah? Jedenfalls stellt es sich nun heraus, dass die viel belächelte, geringe Technikleistung der Wii zu Nintendos Trumpfkarte geworden ist, denn Nintendo kann auf die Nachfrage viel besser reagieren und im Zweifelsfall mit Preissenkungen gegen die Konkurrenz vorgehen, während Microsoft und Sony erst einmal genügend Geräte bereitstellen müssen.

Das Weihnachtsgeschäft 2006 in Japan gehört der Wii, übertrumpft nur durch den unglaublich beliebten DS Lite, der in Japan seit Anfang 2006 konstant ausverkauft ist. Aber ist der Kampf um die Next-Generation-Krone schon vorentschieden? Wohl kaum, denn noch gibt es keine Garantie, ob die Nachfrage für die Wii nicht nach zwei Monaten nachlässt. Und keiner kann voraussagen, ob die PS3 nach einer Preissenkung nicht noch weiter an Popularität zunimmt. Was man aber ebenso nicht wegreden kann, ist die Tatsache, dass der schnelle grosse Absatz der Wii die Dritthersteller überzeugt: Mit bis zu 4 Millionen Konsolen bis Ende 2006 verfügt die Wii über eine respektable Basis. Kein Wunder, wittern Firmen wie Ubisoft eine Gelegenheit, respektable Software-Verkäufe mit der Wii erzielen zu können. In Japan werden allerdings traditionell die japanischen Softwarefirmen wie Konami, Square und Namco profitieren können.