Über ein Feature, das wir erst vermissen, wenn es nicht mehr da ist…

Inmitten all der Gedanken um (zukünftige) Steuerungstechniken möchte ich den Fokus heute auf die Auswirkungen einer leisen Revolution lenken. Erinnert sich noch jemand an die trotzköpfige Reaktion einiger Sony Anhänger (die Ausnahmen seien in Ehren gehalten), als Sony nebenbei erwähnte, dass der Controller der PlayStation 3 keinerlei Rumble-Funktion mehr beinhalten würde? Da wurden schnell Stimmen laut, die ganz plötzlich auf diese „eigentlich doch vollkommen unnötige Funktion“ verzichten könnten. Was würde uns die Rumble-Funktion schon groß bringen? Meiner Meinung nach deutlich mehr, als die Unterstützung von HD-Fernsehern, die keinerlei Beitrag zur Steigerung der Glaubwürdigkeit einer Spielwelt leistet.

Der physische Kontakt mit Videospielen gehört für mich seit der ersten Berührung mit Lylat Wars und dem "Rumble Pak" einfach dazu und lässt mich tiefer in die Spielwelt eintauchen, als es jede hoch aufgelöste Textur je zu können vermag. Wenn ich tief umschlungen meinen Controller in den Händen halten und dabei gebannt auf den Bildschirm starre, dann protokolliere ich natürlich nicht vornehmlich auf jeden einzelnen Rüttler. Aber ich bemerke sofort, wenn die Reaktion ausbleibt und dann macht sich tatsächlich ein leises Gefühl der Leere breit. Ganz unbewusst schlage ich zum Beispiel beim Spielen eines Konsolen-Zeldas öfters mal mit dem Schwert gegen eine massive Wand. Als wenn ich das Verlangen hätte, mit der Hand die Wände entlang zu streichen und mich zu vergewissern, wie massiv diese wirklich sind.

Auch in der Szene der Spieledesigner finden sich Fans des Features. Ein bekannter Anhänger ist so bekanntlich auch Hideo Kojima, der in der Vergangenheit schon einige äußerst nette Spielereien damit anstellte. Oder wer erinnert sich nicht an der Gespräch mit Psycho Mantis im ersten Teil der Metal Gear Solid-Saga, als dieser „mit reiner Gedankenkraft“ den Controller zum Bewegen brachte, wenn man ihn zuvor wie angewiesen auf den Boden legte. Da mag es nicht verwundern, wenn Kojima immer wieder durchklingen lässt, dass er äußerst unzufrieden mit der (nicht ganz freiwilligen) Entscheidung Sonys sei. Welch Ironie, dass ausgerechnet der dem Sony-Konzern äußerst dankbare Kojima, was inzwischen auch umgekehrt gilt, wenn man sich die Wichtigkeit von Metal Gear Solid 4 für die PS3 vor Augen hält, als einer der wenigen Entwickler öffentlich Kritik an der Entscheidung des Konzerns übt. Kein Wunder, schließlich ist der Controller ein Sinnbild für die Arroganz und Fehlleitung des Konzerns: Das Ergebnis eines Rechtstreites und der panischen Angst, plötzlich den nächsten Trend verschlafen zu haben.

In einer äußerst subtilen und doch effektiven Weise nutzen Nintendos Mannen die Vorteile des Features beim neuen Konsolen-Flaggschiff. So etwa wenn man im Menü der Konsole mit der Pointer-Funktion über die verschiedenen Channels fährt, wobei sich jedes Mal eine physische Reaktion zeigt. In Verbindung mit dem Design der Wiimote, die hier ja als eine Art verlängerter Arm bzw. Finger fungiert, wird auch das Rumble-Feature eine Stufe höher gesetzt und wirkt noch natürlicher, als mit einem „abstrakten“ Controller. Überhaupt bin ich ernsthaft der Überzeugung, dass das Spielen mit der Wiimote einiges an Faszination oder besser gesagt Natürlichkeit verlieren würde, würde sich darin keinerlei Rumble-Feedback befinden. Im gewissen Sinne feiert die Funktion so ihre Renaissance noch vor ihrem Untergang. Denn es wäre eine Überlegung wert, wie es sich ein erneuter Durchmarsch Sonys darauf ausgewirkt hätte.

Gastbeitrag von Oliver.S