Herr Moore hat mit seiner Aussage recht: Dinge gehen kaputt. Gerade im Trend steht da das Vertrauen in Konsolenhersteller.

Die letzte Generation war doch eine tolle Zeit: Vergleichbar mit der 16-Bit-Ära, als Spiele im zweidimensionalen Gewand ihre Veredelung erfuhren, waren die Maschinen der letzten Generation endlich leistungsfähig genug, damit sich die fähigen Entwickler wieder auf das eigentliche Videospiel konzentrieren konnten und nicht um technische Unzulänglichkeiten wie einer einstelligen Framerate oder abnormale Ladezeiten. Die PlayStation 2 wird für Sony-Fans in vergleichbarer Erinnerung bleiben, wie heute das Super Nintendo für Nintendo-Anhänger und in der Tat nehmen sich die beiden Konsolen in der Dichte der Hits nichts. Wer einen breit gefächerten Spielgeschmack besitzt, wird jetzt, am Anfang der neuen Generation, sicherlich vor einem prall gefüllten Schrank an PS2-Spielen stehen (und immer noch den einen oder anderen Klassiker bei Ebay hinterher jagen). Der GameCube dagegen war, dank magerer 3rd Party Unterstützung, einfach die „Nintendo Konsole“. Das zeigt sich wunderbar beim jetzigen Anblick ins Spielregal, in dem sich 1st Party an 1st Party Spiel reiht – dazwischen noch ein paar 2nd Party-Titel und Auftragsarbeiten. Und da wäre natürlich auch noch die Xbox, für ein gutes Drittel ihrer Lebenszeit auch als Halo-Box verspottet, da das Softwareangebot an wirklichen Hitaspiranten in der ersten Zeit doch recht überschaubar aussah. Aber auch hier fanden sich einige Exklusiventwicklungen, die den Kauf für Genrefans rechtfertigten. Und natürlich war die Xbox DIE Onlinekonsole schlechthin (bzw. „die einzig wahre Onlinekonsole“).

In diesen Tagen schaue ich wie ein greiser Mann in seinem Schaukelstuhl mit Wehmut auf diese „gute, alte Zeit“ zurück, denn ich bin mit dem derzeitigen Videospiel-Markt unzufrieden, wie selten zuvor, zumindest in Teilaspekten. Dass Nintendo uns einer unerträglich langen Dürreperiode aussetzt, davon wurde schon in einem Artikel vor einigen Wochen gesprochen, weshalb es hier keinerlei Wiederholung bedarf. Auch zu Sonys Lage habe ich mich schon geäußert und in der Zwischenzeit ist die Situation nur noch schlimmer geworden. Eine PlayStation 3 ist derzeit eine Investition in eine unsichere Zukunft und nur für die Exklusiventwicklungen für den Großteil der Spieler viel zu teuer. Es ist eben doch etwas anderes, ob man 200 Euro (GameCube) oder eben 600 Euro (PlayStation 3) alleine für den Katalog an 1st Party-Titeln ausgibt. So weit, so schlecht. Genau hier sollte doch nun die Xbox 360 in die Bresche springen und den Tag retten. Schließlich ist die Konsole seit mehr als einem Jahr auf den Markt und konnte in dieser Zeit schon eine vorzeigbare Bibliothek an Spielen aufbauen. Aber da gibt es eine klitzekleine Sache, die Xbox 360 Besitzer in aller Welt dazu bringt, beim Einschalten ihrer Microsoft-Konsolen jedes Mal aufs Neue kräftig die Daumen zu Drücken, aufs Holz zu Klopfen und Salz über die Schulter zu werfen. Die Angst vor dem Ring of Death. Schon längst symbolisieren die drei roten Leuchten das Versagen eines ganzen Weltkonzerns, der es bis zum heutigen Tag nicht auf die Reihe bekommen hat, diesem Problem erfolgreich entgegenzutreten. Im Gegenteil, wenn ein Journalist tatsächlich mal die Courage an den Tag legt und über dieses inakzeptable Desaster nachharkt, kommt ein Kommentar dabei heraus, wie ihn der gute alte Peter Moore Anfang des Monats in einem Interview mit Mike Antonucci (Mercury News) zum Besten gab:

„I can't comment on failure rates, because it's just not something - it's a moving target. What this consumer should worry about is the way that we've treated him. Y'know, things break, and if we've treated him well and fixed his problem, that's something that we're focused on right now. I'm not going to comment on individual failure rates because I'm shipping in 36 countries and it's a complex business.”

Ein Schlag ins Gesicht für Videospieler, die schon ihre dritte oder vierte Xbox 360 zu Hause stehen haben. Wird „Xbox 360-verpacken“ also der neue Volkssport für Besitzer der Microsoft-Konsole oder sorgt sich der in Redmond ansässige Konzern in Wahrheit nur um die soziale Vereinsamung ihrer Kunden und möchte sie sanft zu ihrem Glück aka Gespräch mit der Hotline und dem freundlichen Mann von UPS zwingen? Daumen hoch für soviel Fürsorge, da kann selbst Nintendo noch etwas hinzulernen. Dabei lag Hoffnung in der Luft. Hoffnung, dass mit der Auslieferung der Elite alles besser werden würde. Wenn man sich jedoch die Geschwindigkeit anschaut, mit der sich die „My Elite is broken“-Threads füllen, dann ist mal einmal mehr die Zeit des Daumen drücken, Holz klopfen und Salz werfen angebrochen. Wenn man ehrlich ist, gab es aber schon vor dem US-Launch einen brutal ehrlichen Indikator, der den (immer noch auf gleicher Stelle tretenden) Status der Situation aufzeigte, womit der Reparaturservice gemeint ist. Dieser dürfte in den seltensten Fällen seinem Namen gerecht werden und tauscht auch jetzt noch kaputte Boxen gegen in absehbarer Zukunft kaputte Boxen aus. Und da sind wir wieder beim Anfang, denn würde die Konsole nicht über dieses Sammlung an erwähnenswerten Softwaretiteln verfügen und keine verlockend blühende Zukunft vor sich haben bzw. würde Sony mit seiner dritten PlayStation Konsole nicht straucheln wie ein ostdeutscher Boxer, der außer Grillzangen nicht viel mehr im Oberstübchen besitzt, könnte man die Hardwareprobleme einfach mit dem Gang zur Konkurrenz umgehen. Sowieso ist der traurige Witz an der Geschichte, dass Sony mit der PlayStation 3 allen Anschein nach die technisch sauberste Konsole der Firmengeschichte auf den Markt gebracht hat. Veteranen erinnern sich noch an vertikal stehende PlayStation 1 Konsolen oder den beliebten „DRE“ (Disc Read Error) bei der ersten Generation von PlayStation 2 Geräten. Die Wii ist keine oder nur bedingt eine Alternative, denn auch mit dem Erfolg der Nintendo-Konsole wird Raum genug für eine weitere Konsole sein, die sich ganz der grafischen Weiterentwicklung des Mediums verschrieben hat. Und so müssen sich die Spieler weiterhin wie Fixer fühlen, die nicht von ihrem Dealer wegkommen, so schlecht sie auch behandelt werden. Deswegen würde ein Ausruf zum Boykott, der einzig wirkungsvolle Weg, auch ebenso schnell verpuffen, wie die Lebensgeister einer frisch ausgepackten Xbox 360.

An diesem Punkt werfe ich auch den Medien ein kollektives Versagen vor, die in der Vergangenheit viel zu zahm, fast ängstlich mit diesem Thema umgegangen sind. Gerade hier hätte der viel beschworene Videospiel-Journalismus Gelegenheit genug gehabt, um der Bezeichnung gerecht zu werden, aber vielleicht hat man ja auch einfach nur Angst, dass die freundschaftliche Partnerschaft einige unschöne Dellen davontragen müsste, sollte sie dieser Belastungsprobe ausgesetzt werden. Wahrscheinlich besteht die beste Chance auf eine Besserung nur dann, wenn ein Massenmedium den CO2-Ausstoß ausgerechnet hat, der durch die Extrafahrten der UPS-Herren entsteht und damit groß Schlagzeile macht.

Es kann nur besser werden.