Nach hitzigen Diskussionen über zu hohe Preise und als halbherzig abgeurteilte 1:1 Umsetzungen, hat sich die Virtual Console erstaunlich schnell etabliert – auch dank unserer Faulheit.

„Für die Preise hol ich mir die Spiele lieber als Original bei Ebay.“ „Kein zusätzlicher Online-Modus, keine Leaderboards? Kein Kauf.“ Solche Kommentare waren vielfach zu hören, als nach und nach die Details zum Virtual Console Service ans Tageslicht drangen. Jetzt, einige Monate nachdem sich der Staub gelegt hat, besitzen nicht wenige der größeren Schreihälse eine ordentliche Palette an herunter geladenen Titeln in ihrem Wii-Speicher. Noch erstaunlicher: Obwohl sich das geliebte F-Zero X Modul längst im Schrank befindet, sitzen diese Personen am Freitagmorgen vor der Nintendo Konsole und bezahlen 1000 Wii Points für exakt das gleiche Spiel. Und der Schreiber dieser Zeilen ist keine Ausnahme, obwohl ich mich zu Beginn schwer mit dem Gedanken anfreunden konnte, soviel Geld für Titel zu bezahlen, für die ich bei einem gewissen Auktionshaus nur unwesentlich mehr auf den Tisch blättern müsste, inklusive Originalverpackung und Anleitung, versteht sich. Worin liegt das Geheimnis?

Ich stelle an diesem Punkt eine kleine These auf, begründet durch Beobachtungen an meiner eigenen Person, aber auch im Umfeld, die zu dem Schluss kommt, dass Nintendo um die Bequemlichkeit ihrer Kunden wusste. Ein konkretes Beispiel: Meine älteren Konsolen befinden sich nicht mehr im TV-Schrank, sondern warten an staubfreien „Lagerungsplätzen“ auf ihren nächsten Einsatz. Zu meiner Schande muss ich jedoch gestehen, dass es in der Vergangenheit schon öfters zu folgender Situation kam: Der Gedanke an Spiel XYZ schwirrte verlockend in meinem Kopf herum, aber die verurteilenswerte Faulheit (Konsole rausholen, an den Fernseher anschließen, nach dem Ende des Spielens die Konsole wieder in den Schrank) siegte letztendlich doch und stattdessen wurde dann eben ein Spiel auf eine aktuelle Konsole gezockt. Gerade wenn nur schnell ein paar Duelle im Multiplayer-Modus eines Titels abgehalten werden sollten, wurden dann doch lieber auf eine der ohnehin unter dem TV stehenden Konsole aufgesprungen.

Der mit dem Virtual Console-Service hinzugekommene Komfort, ist nicht zu unterschätzen. Hier ein Geheimgang bei Super Mario World finden, schnell noch zwei weitere Jahre als Bürgermeister bei Sim City nach dem Rechten sehen und schon heizen vier Personen über die Moo Moo Farm. Der Sprung durch mehrere Konsolengenerationen erfolgt, wenn gewünscht, im Sekundentakt. Und während der Pointer fröhlich zwischen den Kanälen hin und her wandert, fällt der Blick unweigerlich auf den Meinungskanal und die Frage, wie eigentlich die letzte Wahl ausgegangen sei, an der man sich beteiligt habe. Ach, es gibt schon wieder drei neue Umfragen…? Das vollzieht sich in unserer Familie inzwischen mit schöner Regelmäßigkeit und nimmt langsam Wettkampf-ähnliche Zustände an, mit der Kernfrage: Wer kann sich besser in die Köpfe der Wii-Besitzer (inkl. Frau Yasuko Miyamoto) hinein versetzen?

Schöne neue (teuere) Welt, denn: Der wahre Sammler kauft sich die alten Klassiker dennoch in ihrer physischen Originalform nach. Und Nintendo ordert schon einmal den dritten Geldspeicher. Ein netter Nebeneffekt: So gewöhnt man die Kunden schon einmal an die (ferne?) Zukunft und neue Vertriebswege…