Das war sie nun also, die verkleinerte Version der weltgrößten Videospielmesse. Und kaum ist die nun ganz und gar nicht mehr so gewaltige Show über die Bühne gelaufen, denken die Veranstalter über weitere Veränderungen und einen eventuellen Standortwechsel nach New York nach. Ob damit der Showgehalt der Veranstaltung wieder zunehmen wird, erscheint fraglich, auch wenn viele Videospiel-Fans ihren Unmut aufgrund der deutlich ruhigeren Version der E3 verlauten ließen. Dabei vergessen sie aber, dass sich zumindest zwei der großen Konsolenhersteller äußerst vornehm mit Neuankündigungen zurückhielten. War deswegen der Messeauftritt gleich eine Enttäuschung? Werfen wir doch mal einen Blick auf die Ergebnisse dieser E3 bzw. wie und mit was sich Nintendo präsentierte.

Der selbst ernannte Innovationsmotor und (mindestens zweifache) Retter der Branche, er feierte sich und seinen neuerlichen Erfolg in aller Genüsslichkeit. Eingebettet in vielen Youtube-Clips, die glückliche Wii- und Nintendo DS-Spieler zeigten und überschwänglichen Erfolgsmeldungen verschiedener Publikationen, zeigte sich Nintendo unverhohlen stolz auf die derzeitige (durcheinander gewirbelte) Marktlage, an der man nicht ganz unschuldig ist. Es ist allerdings wünschenswert, dass der Erfolg den Führungsköpfen nicht in die selbigen steigt. Ein kleiner Anflug der alten Arroganz und des Abwiegelns von Kundenwünschen zeigte sich zum Beispiel in jenem Moment, als Reggie Fils-Aime (President and Chief Operating Officer of Nintendo of America) auf die Vorwürfe einging, mit denen Nintendos Online Engagement seit Beginn behaftet ist. Der Vorwurf, Nintendo würde das Onlinespielen „nicht ernst nehmen“, wurde mit dem unfreiwillig komischen (und leider auch bezeichnenden) Gegenargument, Wii Spieler würden sich heute schon mit ihren Pokémon online bekämpfen, begegnet. Und die Erwähnung, man könne bei Mario Kart Wii, welches auf der E3 Weltpremiere feierte, auch den Battle-Mode via Netz spielen, machte ebenfalls nur die Versäumnisse der Vergangenheit deutlich. Apropos Mario Kart Wii: Ja, es wurden von Nintendo auch Spiele gezeigt. Nur hielt sich die Anzahl der Neuankündigungen doch stark in Grenzen. Anders gesagt, wurden schon in einigen Famitsu-Ausgaben mehr Neuproduktionen enthüllt, als auf dieser E3.

Aber selbst von Mario Kart Wii sahen die Besucher und Zuschauer an den Live-Streams nicht mehr, als einige Sekunden Gameplay, wobei ein paar Augenblicke zu Beginn wieder abgezogen werden müssen. Oder wer hat den Titel, aufgrund der optischen Parallelen, nicht zuerst mit Mario Kart: Double Dash verwechselt? Mit der Premiere von Mario Kart Wii wurde auch gleich das zweite Stück Zubehör präsentiert, nachdem man zuvor eine Hülle zeigte, die aus Wiimote und Nunchuk eine Lightgun-Pistole machte. Die kommende Mario Kart Episode wird also mit einer Lenkradhülle ausgeliefert werden, in dessen Hinterseite die Wiimote eingesetzt wird. Dies sollte dann leider auch der einzige neue Titel bleiben, den Nintendo für die Freunde traditionellerer Spiele zeigte. Keine Frage, Super Mario Galaxy sah fantastisch aus, Metroid Prime 3 dürfte, nach aufkommender Skepsis, wieder Boden gut gemacht haben und bei Super Smash Bros. Brawl freut man sich ohnehin über jeden neuen Fetzen an bewegtem Bildmaterial. Wo war aber die Neuvorstellung, die uns sagen ließ: Das funktioniert nur mit der Wiimote. Stattdessen wurde eine kleine Parade an neuen Zubehörteilen abgehalten. Nett, ein Lenkrad für Mario Kart Wii. Damit ist der Ideenpool bei Nintendo hoffentlich nicht erschöpft (was natürlich unmöglich feststellbar ist, wenn man sich so verschwiegen hält). Auch die Dritthersteller haben sich noch weiter zurück gehalten, als ohnehin schon erwartet. Damit dürfte ein Festmahl zur TGS 07 fast schon garantiert sein.

Der Fokus der Pressekonferenz lag zweifellos auf Wii Fit, Miyamotos neuem Baby und sicherem Millionenhit. In Folge dessen durfte sich die Fitnesssoftware viel, viel Spott von Core-Gamern anhören. Was bedauerlich ist, da der interessante Titel derzeit deutlich unter Wert verkauft wird. Denn wie schon die relativ kurze Präsentation (auch wenn sie innerhalb der PK viel Platz einnahm) vorführte, haben Miyamotos Mannen auch diesmal nicht vergessen, dass es sich hierbei noch immer um ein Videospiel handelt und Wii Fit mit vielen Spielereien angereichert, wodurch die Behauptung, man könne ja stattdessen gleich das Tele Gym einschalten, absurd erscheint. Vielleicht hätte Nintendo im Vorfeld der E3 darauf hinweisen müssen, dass Core-Gamer nicht im Zentrum der Pressekonferenz stehen würden und die Präsentation, ähnlich wie im letzten Jahr auch, auf die Mainstream-Presse zielte. Eine Menge Kritik an Wii Fit wäre dadurch vermeidbar gewesen. Da Wii Fit bekanntlich zusammen mit dem so genannten Balance Board ausgeliefert wird, ergeben sich potentielle Einsätze für die Zukunft, etwa als Eingabegerät in einem Snowboard-Spiel. Nur würde dies den Besitz von Wii Fit bzw. des Balance Boards voraussetzen und Zubehör-Zwang wurde noch nie vom Kunden großflächig angenommen, weshalb alternative Steuerungskonzepte stets zum Angebot gehören sollten. Schließlich kann das, gerade für Mehrspieler-Abende mit der Familie, ansonsten eine teuere Angelegenheit werden…

Es war ein lauer Messeauftritt in den Augen der alten Anhänger des Konzerns, während Mainstreampublikationen Nintendo schon wenige Stunden nach dem Ende der Pressekonferenz als eindeutigen Gewinner der diesjährigen E3 feierten. Etwas anderes schien Nintendo auch gar nicht im Sinn zu haben und bei aller Enttäuschung, die sich auch bei mir breit machte, muss man wohl akzeptieren, dass Nintendo die E3 als einzige Gelegenheit dieser Größenordnung sieht, die branchenfremden Massen anzusprechen. Spielankündigungen für Freaks brauchen keine große Bühne. Dazu genügt auch eine eingescannte Seite der neuen Famitsu. Ob sich daraus ein Trend ergibt, muss abgewartet werden.

Ach ja: Advance Wars DS 2 kommt!