„Halo 3“ ist ein technisches Meisterwerk, obwohl (oder gerade weil) es nicht die Maxime von Microsoft folgt, mindestens eine Auflösung von 720p zu haben.

Falls jemand gerade „Halo 3“ spielt, wird er in der Regel mir zustimmen, dass das Spiel eine sehr gute Grafik bietet. Und wahrscheinlich wird diese Person nicht bemerkt haben, dass „Halo 3“ nicht die standardisierte Auflösung von 720 Bildzeilen bietet, sondern nur 640, die dann auf 720 Bildzeilen hinaufskaliert werden. Und falls jemand bis hier nur Bahnhof versteht: Es gibt keinen Grund, sich darüber Gedanken zu machen, denn die meisten Spieler haben diesen Unterschied in der Auflösung nicht bemerkt. „Halo 3“ zeigt eindrücklich, wie relativ die Bedeutung der Bildauflösung ist.

Gewiss ist Halo 3 nicht das erste 360-Spiel, das eine tiefere Auflösung als 720p aufweist, so bietet zum Beispiel „Project Gotham Racing 3“ nur 540 Bildzeilen. Doch die meisten niedrigaufgelöste Spiele gehören zu den ersten Spielen der 360 überhaupt, spätere Spiele sollen sich an die 720p als minimale Auflösung halten. Erstaunt haben deshalb einige Technikliebhaber unter den Spielefans reagiert, dass ausgerechnet der Vorzeigetitel der Xbox 360 auf eine tiefere Auflösung setzt. Wie wichtig sind nun 720 Bildzeilen?

Dabei beeindruckt Halo 3 technisch durchaus: dynamische Lichteffekte, grosse Bildtiefe, Vierspielerkooperationsmodus (online) und eine sehr detaillierte Landschaft. Die Firma Bungie hat in ihrem Spiel die Auflösung also heruntergeschraubt, um die technischen Anforderungen zu genügen, die das Spiel benötigt. Halo 3 relativiert die Bedeutung der Bildauflösung und dient nun als Entschuldigung für alle anderen Entwickler, die zukünftig auf die Ressourcen verschlingenden, hohen Auflösung verzichten wollen. Und überhaupt: Wie viele Leute spielen 360-Spiele in HDTV-Auflösung? Die meisten werden wohl weiterhin ein 480i-Bild haben, so gesehen sind selbst die 640 Bildzeilen des Halo 3 eine Ressourcenverschwendung.

Auf die Auflösung des Halo 3 angesprochen, reagieren viele Xbox-Fans verteidigend: Die Grafik des Halo 3 sei schön genug, die Lichteffekte benötigen halt viel Leistung, und die niedrige Auflösung mache das Gameplay nicht schlechter. Sowieso sei das Gameplay das Wichtigste und nicht die Technik. Es ist nicht so, dass die Argumentation falsch wäre, aber sie enthält eine gewisse Ironie, verspotteten die Xbox-Fans in der Vergangenheit doch jene Leute, die Nintendos Wii-Konsole mit ähnlichen Aussagen rechtfertigen. Natürlich liegen technisch Welten zwischen der 360 und der Wii, aber im Grunde genommen geht es immer nur um das Gameplay. Egal in welcher Auflösung, egal auf welchem technischen Niveau ein Spiel auch programmiert wird, ein Spiel lebt immer vom Gameplay. Deshalb spielt es keine Rolle, ob Halo 3 nun mit 640 oder mit 720 Bildzeilen dargestellt wird; das Spiel gefällt den Spielern, und es sowieso nur die wenigsten bemerken, dass Halo 3 gegenüber andere 360-Spiele um 80 Bildzeilen zu kurz ist.

Hat Bungie also mit ihrer Wahl der Auflösung alles richtig gemacht? Technisch gesehen hat Halo 3 immer noch einige Macken, technophile Zocker kritisieren vor allem die unkonstante Framerate: Zwar fällt die Framerate nie wirklich tief, aber selbst wenn auf dem Bildschirm eher ruhig zugeht, zeigt das Spiel nicht konstant 30 Bilder pro Sekunde. Eine kleine Enttäuschung angesichts der Tatsache, dass viele ältere Titel für die PS3 und 360 es geschafft haben, mindestens konstant 30 Bilder in der Sekunde darstellen zu können. Dass Bungie von Anfang an keine höhere Framerate angestrebt hat, kritisieren die Spieler schon lange nicht mehr, denn inzwischen haben sich die meisten damit abgefunden, dass die meisten 360-Spiele keine 60 Bilder pro Sekunde auf die Reihe kriegen, weil die Entwickler lieber das Bild mit einer Vielzahl von Effekten und mit möglichst detaillierten Figuren und Landschaft auftrumpfen wollen. Somit stellen wir fest, dass der technische Anspruch immer subjektiv ist, eine „zeitgemässe“ Grafik gibt es nicht. Geniessen wir die Spiele so, wie sie sind, und lassen wir uns den Spass nicht durch sinnlose Vergleiche und Standards verderben.