Seit das Game & Watch kurzweilige Videospielunterhaltung mobil machte, sind bereits mehr als 25 Jahre vergangen. Dr. Snuggles, seines Zeichens verantwortlich für RetroVideogames.net, teilt uns in diesem Gastpost seine Gedanken zur Entwicklung der tragbaren Spielekonsolen mit…

Erst letztens ist es mir wieder passiert. Im Augenwinkel sehe ich noch verschwommen, wie sich die U-Bahntür schliesst und dann ist es auch schon geschehen….Vertieft in eine „schnelle Runde“ Siedler auf meinem Nintendo DS, habe ich doch tatsächlich erneut meine Zielstation verpasst. Im Gedanken lege ich mir bereits eine fadenscheinige Ausrede für meinen Chef bereit. Kurzerhand erfinde ich daraufhin einen fingierten Behördengang, der sich leider nicht verschieben lassen konnte und ich hoffe inständig, das mir mein Boss diese Geschichte abnimmt. Im selben Moment denke ich fast wehmütig an die Zeiten zurück, als man unter einer tragbaren Konsole noch piepsende LCD Spiele verstand, die als einziges Extra eine eingebaute Uhr inklusive Weckfunktion zu bieten hatte. Als Beispiel sei hier nur die legendäre Game & Watch-Serie von Nintendo aufgeführt. Ich kann mir denken, das viele von euch genau auf diesem Weg mit dem Virus Videospiele infiziert wurden.

Aber soweit muss ich da gar nicht ausholen. Die meisten Spiele, die in den späten 80er Jahren für Handheld Konsolen programmiert wurden, stellten im besten Fall Appetitmacher für umfangreichere Games auf den stationären Konsolen dar. Die zumeist junge Zielgruppe sollte über diesen Umweg langsam aber sicher an die grossen, ausgewachsenen Spielemaschinen herangeführt werden und die durchschnittliche Spielzeit betrug in den meisten Fällen gerade einmal 15-30 Minuten. Dies reichte aber locker für einige Runden Tetris auf dem Ur-Gameboy oder zwei bis drei Levels Sonic the Hedgedog für Sega´s Game Gear aus. „EINSPRUCH!“ werden jetzt viele von euch rufen. Sicherlich gab es auch in dieser Epoche bereits Games, die den Spieler länger an das Gerät fesseln konnten. Rollenspiele oder Action Adventures, wie „Zelda – Links Awakening“, verlangten dem mobilen Zocker mehrere Stunden an Aufmerksamkeit ab. Allerdings war die mobile Hardware aufgrund ihrer recht eingeschränkten technischen Möglichkeiten eher für kurze Spiele zwischendurch ausgelegt. Die beliebtesten und gleichzeitig erfolgreichsten Genres stellten deshalb ganz klar Jump ´n Runs, Shooter oder Geschicklichkeitsspiele dar.

Diese Tatsache sollte sich aber im Laufe der Zeit gewaltig ändern. Bereits mit dem Erscheinen des Gameboy Advance wuchs der Spielumfang der meisten Games deutlich und die Modi-Vielfalt stand dem in nichts nach. Mein persönlicher Meilenstein war hier ganz klar die Advance Wars Reihe von Nintendo. Prompt kamen mir frühe Strategie Hämmer für den PC, wie Battle Isle oder Dune – The Battle For Arrakis in Erinnerung. Spätestens mit der Umsetzung der frühen Final Fantasy Episoden für den GBA vermisste niemand mehr die monochromen und grobpixeligen Minispiele der tragbaren Steinzeit. In Sachen Komplexität und Umfang mussten sich viele der erschienenen Spielekracher nicht mehr hinter den Pendants der grossen Heimkonsolen verstecken.

Die neueste Generation der mobilen Konsolen stellt mittlerweile für viele Zocker gar eine ebenbürtige Alternative zu den teuren, stationären Spielgeräten dar. Bei weitem nicht jeder Spielbegeisterte ist dazu bereit, 400,- Euro oder mehr für eine PS3 oder Xbox 360 inklusive HD-Laufwerk auf den Tisch zu legen. Will man das Spielgeschehen dann noch in Full-HD Auflösung geniessen, kommen noch mindestens weitere 1000,- €, für einen hierfür erforderlichen Flachbildschirm dazu. Aber das muss ja glücklicherweise nicht mehr sein. Sony hat mit seiner PSP schon lange eine tragbare Version der Playstation 2 im Portfolio. Erfolgreiche Spielereihen wie Metal Gear, Silent Hill oder GTA wurden längst für die Playstation Portable umgesetzt und Nintendo liefert mit seinem Nintendo DS zudem eine preiswerte und zugleich innovative Alternative für Casual Gamer und Menschen, die auch mal ihren Grips beim Daddeln anstrengen wollen. Was bleibt mir noch zu sagen? Handheld Spiele sind schlicht und einfach erwachsen geworden.

Begnügte ich mich früher noch mit kurzweiligen Geschicklichkeits-Tests, will ich heute auch unterwegs nicht mehr auf komplexe Spielerlebnisse verzichten. Und wenn ich dann ab und zu ein paar Minuten zu spät in die Arbeit komme, weil ich wiedermal meine U-Bahn Station verpasst habe, setze ich mich einfach in das nächste Internet-Kaffee, gehe mit meiner tragbaren Konsole Online und schicke meinem Chef meine Krankmeldung per E-Mail. Dann finde ich auch endlich mal Zeit für eine ausgedehnte Runde Siedler. Soviel Zeit muss schliesslich sein…

Gastbeitrag von Dr. Snuggles