Wer Spiele kaufen will, geht in der Regel in einem Laden und schaut sich die Regale an. Die Regalplätze haben mehr Einfluss auf die Verkäufe als viele Spieler es ahnen würden.

Manche Zocker machen ihre Einkäufe praktisch nur auf dem Netz. Dieses Kaufverhalten ist nicht nur bequem, sondern garantiert meistens ein fast vollständiges Spieleangebot und möglichst niedrige Preise. Die Mehrheit aller Spieler geht jedoch immer noch physisch in Läden und stöbert gelegentlich herum, und erst recht werden Gelegenheitsspieler und nur sporadisch spielende Leute meistens nicht online einkaufen. Obwohl die meisten Läden nur ein beschränktes Spieleangebot präsentieren können, fühlen sich die meisten Leute doch sicherer, wenn sie das Produkt in den Händen halten können, bevor sie es kaufen.

In meiner Stadt besuche ich immer die gleichen wenigen Läden, und dabei denke ich in letzter Zeit öfters an eine Aussage Iwatas, des Präsidenten von Nintendo: Der beschränkte Platz auf den Regalen sei ein Problem. Kaum ein Laden hat so viel Raum, um das gesamte Spielangebot einer Konsole anbieten zu können, stattdessen präsentiert er eine ganz kleine Auswahl, die aus topaktuellen Titeln und einigen Longsellern besteht. Die Spieler finden desöfteren ältere Geheimtipps nicht, während die meisten Publisher nur von ihren aktuellen Spielen leben und nur wenige Titel in den Handel mehrmals schicken können. Die Situation verschärft sich mit der Tatsache, dass die Konsolen und Handhelds untereinander um Regalplätze kämpfen müssen: Trotz zurückgehender Softwareunterstützung für die PS2 nimmt diese Konsole immer noch den grössten Teil des Raumes ein, die langsam lichtenen Regale deuten jedoch auf einen bald schrumpfenden Sektor. Wii- und DS-Spiele hingegen müssen sich mit wenig Platz begnügen, weshalb viele Spiele eng gedrängt auf- und nebeneinander liegen. Zwar haben einige mir bekannte Läden seit längerem begonnen, mehr Platz für die DS-Spiele einzuräumen, aber noch immer genügen die Regale dem Angebot nicht.

In den vielen Verkaufszahlendebatten vergessen Analytiker und Hobbybeobachter sehr häufig die Rolle des Händlers. Der Ladenbesitzer entscheidet, welche Konsolen und welche Spiele wie viel Platz einnehmen. Diese Entscheidung kann den Käufer stark beeinflussen: Ein grosses Softwareangebot beeindruckt, einen Stapel Konsolen auf den besten Plätzen übersieht ein Konsument nicht. Wenn der DS bessere Softwareverkaufszahlen als im ersten Jahr aufweist, dann hat der Händler nicht zufällig mehr Regale dafür reserviert. Erfolgreiche Konsolen erfahren deshalb eine Erfolgsspirale, indem sie sich gut absetzen und so den Händler zwingen, mehr Platz einzuräumen, was wiederum ihre Verkäufe antreibt. Umgekehrt verlieren erfolglose Konsolen immer mehr Regalplätze, was wiederum jene Konsole weniger sichtbar macht. Aus diesem Grund steht und fällt ein Videospielsystem in ihrem ersten Jahr. Die Konsolenhersteller haben viel mehr Mühe, ihre schwach gestarteten Geräte zu einem Comeback zu bringen als ihre erfolgreiche zu weiteren guten Verkaufszahlen anzukurbeln.

Nehmen die Konsolen untereinander also nur Marktanteile weg? Theoretisch kann ein Händler dem gesamten Videospielsektor mehr Platz einräumen und dadurch alle Systeme puschen. In dieser Richtung zielt die Aussage Iwata meiner Meinung hin, und indirekt hofft er wohl auf eine höhere Integration der Videospiele. Wäre es nicht wünschenswert, wenn mehr Läden als reine Videospielspezialisten überleben können? Und wenn diese Läden auch noch genügend gross werden, damit jede Konsole eine akzeptable Spieleauswahl im Regalbieten kann? Momentan sind wir noch weit davon entfernt, selbst die Grossverteiler wie Media Markt glänzen nicht unbedingt mit Spieleauswahl, sondern mit grosser Anzahl an aktuellen Spielen. Ich finde selber häufig nicht die gewünschten Spiele, die älter als ein Jahr sind.

Macht man sich um die Wichtigkeit der Regalplätze bewusst, erkennt man auch die Relevanz der Werbung in diesem Geschäft an: Teure Spiele bekommen viel Werbung, um möglichst viel Absatz zu erzielen. Dabei benötigen sie auch genügend Regalplätze, weshalb alles in die Höhe getrieben wird! Steigt die Produktionskosten eines Spiels an, steigt auch das Werbebudget an, und man sieht sich auch genötigt, mehr Einheiten zu produzieren, die wiederum mehr Regalplätze brauchen. Aus diesem Grund steigen die Gesamtkosten eines teuren Spiels nicht linear an. Diese Spiele nehmen dann auch viel mehr Raum ein und drängen wiederum die weniger teuren Spielen in die Ecke. Welch eine Utopie, wenn alle Spiele die gleichen Chance hätten, sich um die Gunst der Spieler zu buhlen!