Konami zeigt Mut zu einer vollständigen Erneuerung und bringt die Zukunft der Fussballspiele für die Wii raus. Hier erfahrt ihr über den neuen Standard der Fussballsimulation.

Ein endgültiges Fazit kann ich an dieser Stelle nicht bieten. Obwohl Dutzende von Stunden für das Spiel draufgegangen sind, habe ich noch nicht alle Finesse ausgearbeitet, nicht einmal alle Modi habe ich durchspielen können. Stattdessen möchte ich in dieser Kolumne meine Impressionen schildern, denn das Spiel hat das Verständnis für Fussballspiele komplett verändert.

Die Pro-Evolution-Soccer-Serie hat einen nicht geringen Bekanntheitsgrad, viele Spieler loben sie als die einzige Alternative zu EAs Fifa-Serie. Während beide Serien auf der Xbox 360 und auf der PS3 weiter an Detailverbesserungen arbeiten, gehen sie auf der Wii unterschiedliche Wege: Die Fifa-Reihe versucht das bekannte Gameplay an der Wii-Steuerung anzupassen, während die Entwickler von PES:Wii das Spiel quasi neu erfinden wollen. Herausgekommen ist ein Spiel, das den Spielern erlaubt, so viel Einfluss über das eigentliche Geschehen zu nehmen wie nie zuvor.

Anfänger werden diese im entfernten Sinn totale Kontrolle leicht merken, wenn sie den Angriff leiten müssen: Pässe können mittels Anzeigen gespielt werden, beliebige Fussballspieler können sich mit Ziehen und Befehlen dirigieren lassen, und selbst beim Toreschiessen kann man zwischen Schuss und Lüpfer entscheiden. Anders als in früheren Fussballspielen kontrolliert man nicht einfach nur eine Figur aufs Mal, sondern alle ersichtlichen Figuren der eigenen Mannschaft können sich so bewegen lassen, wie man will. Mehr Umgewöhnung verlangt die Defensive: Man kann einzelne Gegner markieren, damit diese enger gedeckt werden oder eine Doppeldeckung verlangen. Diese Manndeckung fühlt sich zunächst ungewöhnlich an, weil die Kontrolle keine direkte ist. Aber man kann auch einzelne Spieler mittels Ziehen bewegen lassen und so eine aggressivere Deckung fordern. Dieses Ziehen können geschickte Spieler auch dazu nutzen, den Raum gut abzudecken. Die Abseitsfalle kann durch ein leichtes Heben des Wiimotes ausgelöst werden.

Obwohl die Steuerung so vieles erlaubt und anfänglich kompliziert wirkt, kommt man mit bloss vier Knöpfen und Schütteln des Nunchucks und der Wiimote aus. Mit dem Digitalkreuz kommandiert man das ganze Team entweder nach vorne, nach hinten, nach unten oder nach oben. Mehr Steuerungselemente sind nicht nötig! Trotzdem bieten die Spieleelemente so viele Möglichkeiten und Kombinationen, dass die Spielfreude und Neugier ständig hochbleiben. Damit hat das Spiel etwas erreicht, was nicht viele Spieleserien erreichen können: Die Steuerung intuitiver und trotzdem das Gameplay komplexer zu machen. Die beinahe totale Kontrolle rückt das Spiel in die Nähe des Real-Time-Strategy-Genres, vor allem Strategieliebhaber erfreuen sich über die jetzt wichtige Rolle des Teamplays, weil man alle ersichtlichen Spielfiguren dirigieren kann. Nicht wenige Spieler attestieren dem Spiel deshalb eine grössere Annäherung an das eigentliche Spielprinzip des Fussballs als alle früheren Fussballsimulationen.

Obwohl das Spiel etwas spät auf dem Markt gekommen ist, hat es sich vor allem in Europa recht gut verkauft. Konamis Bereitschaft, ein fast völlig neues Spiel zu erschaffen, hat sich also gelohnt. Das Spiel hat deshalb Vorbildcharakter, denn noch wagen sich noch zu wenige Entwickler und Produzenten, auf der Wii mit grossartigen Ideen aufzutrumpfen. Stattdessen versuchen immer noch zu viele Firmen, alte Spiele an die Wii anzupassen. Ironischerweise hat Konami dies beim PES:Wii bis zu einem gewissen Grad auch gemacht, denn die Grafik sieht nicht viel anders als jene der PS2-Versionen aus. Jedoch ist die Firma klug genug, das Spielprinzip stark zu verändern. Dafür hat Konami nun eine solide Grundlage geschaffen, um mit weiteren Iterationen gute Profite rauszuholen und nicht unwahrscheinlich Marktanteile von Konkurrenten wegzunehmen.