Eine Kolumne über hochgeschraubte Erwartungen, Zukunftsglauben und Kristallkugeln. Seid ihr bereit für die nächste Generation?

„Warum reden wir bereits über die nächsten Konsolen“, mögen sich einige fragen. Doch die Zeit geht schneller vorbei als die meisten es erahnen können. Wir erinnern uns: Die Xbox 360 ist bereits im dritten Jahr und nimmt bereits zum vierten Mal Anlauf für die Weihnachtsgeschäfte; die PS3 und die Wii sind im zweiten Jahr und zum dritten Mal im Weihnachtsgeschäft, wenn wir von der Verschiebung der PS3 in Europa mal absehen. Der DS und die PSP wirken noch älter, verkaufen die beiden sich schon seit vier Jahren. Vergessen wir nicht, dass der GBA nur vier Jahre auf dem Markt verweilte, bevor sein Nachfolger die Verkaufscharts stürmte. Wenigstens blieb der GBA für etwa zwei Jahre eine wichtige Plattform, vor allem in den USA verkaufte er sich noch bis Ende 2007 prächtig. Ganz im Gegensatz zu der die Xbox, die nach vier Jahren Laufzeit praktisch von der Bildfläche verschwand.

Würde sich die Vergangenheit wiederholen, dann käme der DS-Nachfolger schon in dieser Weihnachtszeit, und die nächste Xbox-Generation würde sich für 2009 bereitmachen. Doch zum Glück scheinen die jetzigen Konsolen und Handhelds länger auf dem Markt zu bleiben als in der vorherigen Generation. Glück für die Spieler, denn relevant sind nicht die Konsolen, sondern die Spiele: Konsolen seien laut Nolan Bushnell nichts weiter als ein finanzielles Hindernis, das die Spieler überwinden müssten, um endlich spielen zu können. Wer will denn schon alle drei bis vier Jahre Geld für eine neue Konsole verschwenden, nur um Spiele zocken zu können? Längere Konsolenzyklen würden den Geldbeutel definitiv entlasten. Und für die ungeduldigen High-End-Zocker existiert immer noch der PC als Spieleplattform.

Dass dieser Konsolenzyklus länger dauern wird als die vorhergehenden, verdanken wir dem Umstand, dass Sony und Microsoft sehr viel Geld in die Hardware und Infrastruktur investierten und nun diese Verluste abbauen müssen. Diese Theorie überzeugt jene Marktbeobachter, die an die ökonomische Vernunft glauben. Einige warnen jedoch davor, sich zu stark auf die Vernunft zu verlassen. Tatsächlich könnte Microsoft versuchen, die Konkurrenz wieder mit einer frühen Veröffentlichung zu überraschen. Diese Taktik hat bereits die 360 in die passable Position gebracht, die PS3 auf Distanz zu halten. Jene Fans und Marktbeobachter, die den nächsten Konsolenkampf nicht vor 2012 erwarten, sollten sich deshalb auf Überraschungen gefasst machen. Und auch die Handhelds werden wahrscheinlich nicht so lange auf dem Markt bleiben, bis die Verkaufszahlen markant sinken, sondern wohl bereits vorher die Bühne für ihre Nachfolger verlassen.

Nun fragt man sich, was die nächsten Handhelds und Konsolen den Spielern bringen werden. Viele Videospielfans haben sicherlich bereits einige hochtrabende Erwartungen gelesen, die nicht nur von Hobby-Analysten, sondern auch von Experten verfasst werden: Mindestens vier GB Ram sollen die nächsten Konsolen haben und über Prozessoren verfügen, auf denen acht oder mehr Kerne arbeiten würden. Fans der Playstation-Marke träumen bereits von den nächsten Cell-Generationen, die nicht nur höher getaktet sein werden, sondern über 32 der sogenannten SPUs verwalten. Noch genialer liest sich die Milchbüchleinrechnung der Handheldprognosen. Nicht wenige Leute sagen: „Wenn die PSP fast die Leistung der PS2 erreichen kann, würde die PSP2 nicht fast auf die Leistung der PS3 kommen?“ Diese hochtrabenden Visionen muss man mit gesunder Skepsis begegnen, denn spätestens seit Nintendos doppeltem Erfolg (mit dem DS und der Wii) sollten alle einsehen, dass die Leistung der Konsolen nicht die nächste Generation entscheiden wird. Deshalb werden wir auch in der nächsten Generation keine Auflösung von 1080p als Standard haben, und klein ist die Wahrscheinlichkeit, dass alle zukünftigen Spiele mit 60 Bildern pro Sekunde laufen werden.