Diskussionen über Videospiele finden heutzutage in Internet-Foren statt. Aber viele scheinen praktisch stillzustehen. Haben wir in den Foren ausdiskutiert?

Vor dem Internet-Zeitalter hatten die Spielerinnen und Spieler es schwer, Gleichgesinnte zu finden. Meistens waren sie auf ihr unmittelbares Umfeld limitiert: Fanden sie in ihrer Umgebung keine Person, die ähnlich in diesem Hobby involviert war, mussten sie entweder lange Reisen auf sich nehmen, um sich mit anderen Spielerinnen und Spielern treffen zu können – oder sie schrieben Leserbriefe an Videospielmagazine, die damals die wichtigste Anlaufstelle für Informationen rund um Videospiele bildeten.

Seit Ende der 90er Jahre etablierten sich jedoch die Internetforen als Informations- und Diskussionsquelle. Für Videospiel-Enthusiasten sind sie ein wahrer Segen, denn dadurch können die Gamer endlich mit Gleichgesinnten unkompliziert und jederzeit über Spiele und Spielkulturen fachsimpeln. Im Vergleich zu Internetchats haben Foren den Vorteil, dass sie den Usern gestatten, Threads und Antworten unabhängig von anderen Usern zu erstellen; nicht selten werden Threads erst Tage, wenn nicht gar Monate oder Jahre später fortgesetzt.

Mein erstes Forum war jenes von Nintendofans.de, später war ich auch in gaming-universe.de unterwegs, zuletzt im berühmt-berüchtigten NeoGAF. Zeitweise war ich in allen drei Foren gleichzeitig am Schreiben, zurzeit beschränke ich mich jedoch auf das NeoGAF: Einerseits zwang mich das Studium damals zu einer reduzierten Forumstätigkeit, andererseits verlor ich das Interesse in die zwei erstgenannten Foren. Vor allem das Forum des Nintendofans.de fehlte es seit Längerem an jeglichem Reiz. Damit komme ich auch zu der einleitenden Frage dieser Kolumne zurück: Sterben die Videospiel-Foren aus? Werden sie in Zeiten des Twittern und des Facebooks altmodisch und überfällig? Im Fall des Nintendofans.de kann man es nicht übersehen, dass die Beiträge immer spärlicher werden, die Mitglieder weggehen oder zunehmend passiv werden und vernünftige Diskussionen mittlerweile Seltenheitswert haben.

Ich habe die Frage bewusst polemisch und provokativ formuliert. Wenn das Forum des Nintendofans.de uns hier als Beispiel eines sterbenden oder zumindest stumm werdenden Forums dient, dann soll das GAF ein Gegenbeispiel darstellen: Zu jeder Zeit besuchen Tausende Menschen dieses englischsprachige Forum, sekündlich werden neue Threads erstellt oder auf die bestehenden Threads geantwortet. Die beiden Foren unterscheiden sich in den folgenden Punkten: GAF ist trotz der nordamerikanischen User-Mehrheit eine global ausgerichtete Plattform, während Nintendofans.de nur von deutschsprachigen Users benutzt wird. Noch wichtiger als das Zielpublikum sind jedoch die Moderatoren, die in NeoGAF nicht nur reagieren, sondern auch agieren. Dahinsiechende Foren kann man deshalb ganz leicht an der Passivität des Forum-Teams erkennen. Im Grunde genommen haben deshalb alle möglichen Plattformen – egal, ob Forum, Facebook, Blog, oder gar Wikipedia – immer eines gemeinsam: Sie müssen ständig „Contents“ liefern, um interessant bleiben zu können. Falls ihr also auch Mitglied eines sterbenden Forums seid und glaubt, dass diese Plattform nichts Neues mehr bringt, dann solltet ihr einen Wechsel erwägen. Denn das Internet-Forum als Plattform beweist mit Seiten wie GAF nach wie vor ihre Vitalität.