Still und unscheinbar kam Samus‘ 3D-Abenteuersammlung letztes Jahr in die Läden. Ob sich ein Kauf lohnt? Aus meiner Sicht ist die Trilogie auf jeden Fall das Geld wert, denn schließlich bekommt ihr drei der besten Spiele für den Preis von einem.

Vor Erscheinen der Trilogie konnte die Metroid Prime-Reihe gut drei Millionen Exemplare absetzen. Völlig zurecht: Entwickler Retro Studios schaffte es mit dem ersten Teil, die Spielmechanik und das Spieldesign der Metroid-Reihe in dreidimensionaler Darstellung umzusetzen. Die hohe Spielqualität des ersten Spiels behielt später der zweite Teil bei, während der dritte Teil die Spielsteuerung mit dem Wii-Controller erneuerte und bis dato für Konsolenshooter nie gekannte Präzision bot. Und weil diese Steuerung gegenüber der früheren Variante mit Analogstick nicht nur deutliche Vorteile hat, sondern auch die Spielweise entscheidend beeinflusst, will Nintendo mit einer Neuveröffentlichung der ersten zwei Prime-Titel zusammen mit dem dritten als Trilogie neue und alte Spieler für diese Reihe gewinnen – ganz im Sinne der „New Play Control!“-Reihe für die Wii.

Wie bereits angedeutet, verhalf die Trilogie Nintendo nicht gerade zu sprudelnden Gewinnen; sie tauchte in den Verkaufs-Charts kaum auf. Warum kommt die Prime-Sammlung bei den Käufern nicht an? Gut möglich, dass sie neue Spielerinnen und Spieler nicht anspricht, denn trotz eines zusätzlichen leichteren Schwierigkeitsgrads sind die Spiele relativ komplex. Erfahrene Metroid-Zocker dagegen haben wahrscheinlich die Reihe bereits als einzelne Spiele gekauft und haben keine Lust, nochmals in die Tasche zu greifen. Die Trilogie spricht deshalb keine Zielgruppe richtig an und wird zu Unrecht mit Desinteresse bestraft.

„Lohnt sich der Kauf überhaupt?“, werden einige von euch jetzt wohl fragen. Ich empfehle die Trilogie auf jeden Fall: Abgesehen vom Metroid Prime: Corruption, dem dritten Teil der Saga, den ich bereits Ende 2007 gezockt habe, gehören die zwei ersten Spiele noch zur Gamecube-Ära und verdienen eine Wiederentdeckung. Meine erneute Reise in die verlorene Welt „Tallon IV“ bringt mich wieder ins Staunen, ich habe schlicht nicht mit meiner eigenen Vergesslichkeit gerechnet! Als ich vor rund sechs Jahren das erste Metroid Prime spielte, durchkämmte ich die Gebiete mehrmals so gründlich wie möglich; und trotzdem habe ich diesmal viele Wege, versteckte Räume und Lösungen zu diversen Rätseln nicht mehr im Kopf. Zwar kommt mir vieles vertraut vor, aber Lücken in der Erinnerung zwingen mich zur Vorsicht. Praktisch auf Anhieb habe ich hingegen die Steuerung beherrscht: Diese ähnelt jener von Corruption sehr, macht jedoch keinen Gebrauch von Motionsensoring und hat dafür die Wahlmöglichkeit der verschiedenen Beam-Waffen. Das frühere Kontrollschema mit dem Analogstick war zwar angenehmer als die übliche Dual-Analogsteuerung, eignet sich aber nicht für hektische Kämpfe. Die Steuerung mit dem Wii-Controller und Nunchuck vereint nun das Intuitive mit dem schnellen Zielen; die früher so gefürchteten und lästigen Weltraumpiraten werden damit in null Komma nichts erledigt.

Das erste Metroid Prime gibt mir nicht zuletzt deshalb das Gefühl, dass der Schwierigkeitsgrad etwas tiefer sei als früher. Folgende Aspekte dürfen wir nicht außer Acht lassen: Ich darf erstens zwischen zwei Schwierigkeitsgraden wählen (Normal und Veteran) und habe zweitens noch die Erfahrung von früher. Ob das Spiel beim „normalen“ Schwierigkeitsgrad viel einfacher als früher ist? Ich merke zumindest keinen Unterschied im Feindverhalten, aber es ist durchaus vorstellbar, dass die Gegner weniger Treffer hinnehmen können. Noch bin ich nicht bei Ridley angekommen, die wirklich ernsthafte Prüfung kommt also erst noch.

Obwohl der Titel technisch eigentlich längst überholt ist, bin ich nach wie vor von der schönen Welt angetan. Gewiss sehen einige Texturen für die heutige Zeit etwas grob aus, und viele Gebäude und Steine wirken eckig. Dennoch kann das erste Metroid Prime noch mit vielen modernen Titeln mithalten, ein durchdachtes Design, geschickt platzierte Lichteffekte und eine hohe Framerate machen die Reise nach Magmoor, Phendrana und in die Phazon-Minen zu einem angenehmen Erlebnis.

Noch habe ich den zweiten Teil nicht angerührt, und aufgrund fehlender Spielerfahrung und grundsätzlich höherem Schwierigkeitsgrad wird dieser mich deutlich mehr quälen als der Erstling. Sollte sich der überaus gute Eindruck auch beim zweiten Teil bestätigen, sehe ich jedoch keinen Grund zur Annahme, dass dieser mich über Gebühr frustrieren wird. Dafür sorgt allein schon die Wii-Steuerung. Von meiner Seite gibt es deshalb eine klare Kaufempfehlung, nicht zuletzt deshalb, weil die meisten heutigen Spiele meist männliche, 30-jährige Protagonisten mit Bartstoppeln porträtieren. Eine zähe, kämpferische Heroine mit der Attitüde eines Tomboys wirkt dagegen sehr erfrischend. Wer Samus also noch nicht bei ihren 3D-Abenteuern begleitet hat, sollte schleunigst schauen, dass er die Trilogie noch irgendwo aufschnappen kann, denn aufgrund der bescheidenen Verkäufe ist zu befürchten, dass das Spiel nicht lange auf dem Markt bleibt.