Die Ankündigung des neunten „Dragon Quest“-Teils im Jahre 2006 schockte viele Fans der Serie: Nicht nur würde der neueste Teil der Saga statt auf einer Next Gen-Konsole wie der PlayStation 3 auf dem Nintendo DS erscheinen, auch in Sachen Gameplay sollten vollkommen neue Wege eingeschlagen werden. Was von den mutigen Versprechungen übrig geblieben ist, möchte ich in diesem Artikel beleuchten…

Ursprünglich sollte der inzwischen hierzulande unter dem Namen „Dragon Quest IX: Hüter des Himmels“ erschienene Titel vollkommen neue Wege einschlagen: Hinfort mit den rundenbasierten Zufallskämpfen, her mit einem Echtzeit-Kampfsystem á la „Final Fantasy: Crystal Chronicles“. Dazu eine gehörige Brise Multiplayer und fertig war ein Rollenspiel-Cocktail, mit dem die traditionsbewussten Dragon Quest-Anhänger so gar nichts anzufangen wussten. Schlussendlich erhörte Square-Enix die Klagerufe der Fan-Gemeinde, weshalb aus dem ambitionierten Projekt schließlich doch eine recht traditionelle Fortsetzung erwuchs. Doch wie traditionell ist Dragon Quest IX wirklich? Was ist aus den Anfängen als Multiplayer-Action-RPG übrig geblieben?

Wer sein Abenteuer startet, wird zuallererst damit beauftragt, den Helden der Geschichte selbst zu kreieren, was bereits ein Novum darstellt: War es Dragon Quest-Spielern bisher höchstens möglichst, das Geschlecht des Protagonisten zu bestimmen, so steht ihm nun eine Auswahl verschiedenster Hautfarben, Frisuren, Gesichtszüge und Körpertypen zur Verfügung. Doch nicht nur das Aussehen des Hauptcharakters ist frei bestimmbar: Alle Party-Mitglieder, die ihm in seinem Abenteuer zur Seite stehen, werden vom Spieler selbst erstellt, wobei man bei diesen sogar die Charakterklasse selbst auswählen darf. Einen Nachteil hat diese kreative Freiheit jedoch: Während es in vorherigen Dragon Quest-Teilen meist nur einen stummen Helden gab, verbleibt die gesamte Heldentruppe diesmal das ganze Abenteuer über wortlos. Stattdessen wird die Geschichte nun komplett von Sidekick Stella und den Nebencharaktere der einzelnen Episoden getragen.

Sind die Heldenfiguren erst einmal erstellt, ist deren Aussehen jedoch noch lange nicht fest: Jeder Ausrüstungsgegenstand im Spiel verziert den entsprechenden Recken, der ihn trägt. Von der gestreiften Boxer-Shorts bis hin zur glänzenden Rüstung; ein jedes Utensil verändert das Aussehen des jeweiligen Charakters. Dies kann dazu führen, dass man einmal ein paar Verteidigungspunkte einbüßt, um stattdessen eine Outfit-Combo zusammenzustellen, die nicht nur praktikabel ist, sondern auch noch gut aussieht. Auch gibt es nun eine weitaus größere Vielfalt an Ausrüstungsgegenständen als in den früheren Spielen: Neben den üblichen Schilden, Helmen und Rüstungen gibt es nun auch Handschuhe, Hosen und Stiefel. Es ist also tatsächlich möglich, seine Recken von Kopf bis Fuß einzukleiden. Auch die Waffenvielfalt ist größer denn je: Ganze 12 Waffentypen stehen zur Auswahl, wobei jede Klasse nur je drei davon benutzen kann. Die Finesse, mit der die jeweilige Waffe geführt wird, kann wiederum mit Fähigkeitspunkten verbessert werden, was neue Kampftechniken und Fähigkeiten hervorbringt. Wenn man nun noch bedenkt, dass jeder Charakter in jeder Klasse bis zu Level 99 aufsteigen kann, so dürfte klar werden, dass man zig Stunden allein damit verbringen könnte, den perfekten Kämpfer heranzuzüchten.

Der Großteil der bereits angesprochenen Aspekte ist ein Resultat der Multiplayer-Wurzeln von Dragon Quest IX. Das soll aber nicht heißen, dass von besagtem Mehrspieler-Modus nichts übrig geblieben ist. Auch wenn das Augenmerk während der Entwicklung wieder mehr auf das Solo-Spiel gerückt ist, so beinhaltet das Spiel noch immer einen ausgefeilten Multiplayer: Im lokalen Netz können Spieler die Welten anderer Handheld-Abenteurer besuchen oder ihre eigene Welt mutigen Besuchern eröffnen. Den Touristen steht es frei, sich auf eigene Faust auf Entdeckungsreise zu begeben, dem Gastgeber bei seiner Queste weiterzuhelfen oder Items auszutauschen. Natürlich können auch die rundenbasierten Kämpfe Seite an Seite angegangen werden.

Apropos Kämpfe: Zufallsbegegnungen mit den fiesen Widersachern gehören endlich der Vergangenheit an. Gegner wandern sichtbar über die Oberweltkarte und durch Dungeons und nehmen bei Blickkontakt entweder die Verfolung auf oder suchen das Weite, je nach Stärke der Party. Die Gefechte selbst laufen ab wie eh und je, mit lediglich marginalen Änderungen: Die Helden sowie die Monster stehen sich nun nicht mehr in Reih und Glied gegenüber, sondern positionieren sich auf dem Schlacht immer wieder neu. Auch gibt es nun einen Combo-Zähler: Wird die selbe Art von Angriff mehrmals direkt hintereinander auf den selben Gegner ausgeführt, erhöht sich mit jedem erfolgreichen Treffer der Schaden. Fans des achten Teils werden außerdem einen Befehl zum Steigern der Konzentration vermissen. Dies ist nun nur noch bestimmten Charakterklassen möglich. Dafür verfügt jeder Abenteurer nun über eine Art Spezial-Move, welcher nur in bestimmten Situation eingesetzt werden kann und für verheerenden Schaden bei den Gegnern oder günstige Bedingungen für die Helden sorgen kann.

Wer eine Auszeit vom Kämpfen benötigt, kann sich mit über hundert Sidequests die Zeit vertreiben: Immer wieder tauchen NPCs mit blauen Sprechblasen über ihren Köpfen auf, welche dem Spieler Aufgaben wie das Besorgen eines bestimmten Items oder das Besiegen von Monstern unter bestimmten Bedingungen auferlegen. Über den Status jedes angenommenen Quests wird praktischerweise Buch geführt, was das Management der vielen kleinen Aufgaben erleichert. Außerdem kommt der Spieler immer wieder in Besitz von Schatzkarten, welche zu geheimen Dungeons (gefüllt mit gefährlichen Monstern und seltenen Schätzen) führen, während Item-Spezialisten dank des Alchemie-Topfs (diesmal ohne Wartezeit) wieder einmal auf ihre Kosten kommen.

Dragon Quest IX ist bei weitem kein Meilenstein der Serie, führt aber die ein oder andere gern gesehene Neuerung ein. Ob man Elemente wie das Erstellen eigener Party-Mitglieder oder den Multiplayer-Modus auch in den zukünftigen Teilen wiederfinden wird, ist fraglich, doch funktionieren sie hier tadellos. So schafft es auch der neunte Teil der Reihe, für frischen Wind zu Sorgen, auch wenn er wohl niemanden zum Fan konvertieren wird, der schon vorher nichts mit Dragon Quest anzufangen wusste.