PSP2, iPhone4, iPad und Handys zählen zu den potenziellen Stolpersteinen für den 3DS, aber vielleicht stellt sich Nintendo selber ein Bein. Eine Analyse zum heutigen Markt der portablen Spielmaschinen.

Produzenten, Entwickler, Journalisten, Fans und Analysten: Fast alle glauben an einen Rekorderfolg des 3DS, kaum jemand wagt das Konzept eines Handhelds mit 3D-Darstellung und der Grafikleistung eines GameCubes zu bezweifeln. Die Abwärtskompatibilität mit der DS-Bibliothek verdeutlicht nur noch die schiere zukünftige Dominanz. Dürfen wir jedoch dieser Euphorie ohne weiteres vertrauen? Dass die gesamte Industrie sich irren kann, konnten wir bereits in dieser Generation beobachten, als der Kronprinz PlayStation 3 nur den dritten Platz in den Verkaufcharts eingenommen hat und der vermeintliche Underdog Wii locker 80 Millionen Stück absetzen konnte.

Tatsächlich können mehrere Plattformen mit dem 3DS konkurrieren, allerdings unterscheiden sie sich hinsichtlich der Strategie. Die direkte Konkurrenz ist bisher noch nicht in Sicht, Sony-Fans spekulieren mit der PSP2. Das Warten auf den PSP-Nachfolger entpuppt sich leider als Albtraum für die Fans: Nach den ersten Informationen über den 3DS im März hofften noch viele Sony-Anhänger auf eine Kampfansage auf der E3, doch bisher gibt es nicht einmal eine Andeutung, dass eine PSP2 in der Entwicklung sei. Hartgesottene Fans hoffen jetzt auf die TGS; mal schauen, ob das Warten sich lohnt.  Reale Konkurrenz hat der 3DS aber bereits jetzt, denn iPhone, iPad und Handys nehmen einen großen Teil des Marktes für portable Spiele ein. Während Handys trotz der vielen Jahre nie den Status einer akzeptablen Spieleplattform erreichen konnten, hat Apple mit der Apps-Ökonomie gute Profite gemacht. Eine echte Alternative zu einem Spielehandheld sind iPhone und iPad zwar nicht, aber die vielen billigen Spiele locken die Gelegenheitsspieler an. Damit verliert Nintendo einen Teil der Käuferschicht an Apple. Ob die Leute irgendwann genug von Applications haben? Einige Szenebeobachter glauben daran, weil die teuren Apps mit den vielen Gratis-Apps konkurrieren und dadurch nicht zu den gewünschten Absätzen kommen. Ein Abwärtstrend ist bisher aber nicht auszumachen.

Kann der 3DS an der Konkurrenz scheitern? Die Gefahr besteht, ich schätze sie jedoch als eher klein ein: Da die direkte Konkurrenz noch nicht in Sicht ist, verliert Nintendo wahrscheinlich höchstens einen Teil der Gelegenheitsspieler. Die 3D-Technik wird allerdings genügend Kunden begeistern, um in den ersten Jahren gute bis sehr gute Verkaufszahlen erzielen zu können. Meiner Meinung nach muss Nintendo eher aufpassen, dass sie sich nicht selber ein Bein stellt. Wir haben zwar bereits einige technische Details als Information erhalten, aber viele Fragen bleiben noch ungeklärt: Wie viel muss der Kunde für die Hardware bezahlen? Wie groß ist der interne Speicher für Spiele-Downloads und Fotos? Und wie teuer sind die Spiele? Zweifellos sehen die bisher präsentierten Demos zum Teil sehr gut aus, mit der jetzigen Technik wird die Spielproduktion jedoch teurer sein als zu Zeiten des Vorgängers. Hohe Spielepreise haben schon die PSP daran gehindert, den Markt zu erobern – passiert nun dasselbe beim 3DS?

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die globale Wirtschaft: Die Krise mag bisher nicht so richtig verschwinden, Hiobsbotschaften aus den USA, aus Japan und der EU kommen regelmäßig. Werden die Amerikaner wieder anfangen, im alten Stil zu konsumieren, obwohl viele nicht nur keine Stelle mehr haben, sondern auch noch hoch verschuldet sind? Können die Japaner ihre Sparwut ablegen und gleichzeitig noch das Demografieproblem lösen, das wohl nur mit mehr Immigration und weniger Xenophobie bekämpft werden kann? Werden sich die schwachen EU-Länder von der Krise erholen und wieder an die Leistung der reichen EU-Länder anknüpfen können? Diese Fragen lassen sich wahrscheinlich nicht mit einem klaren Ja beantworten, mit anderen Worten: Auch der 3DS wird es wohl schwer haben, die Krise vergessen zu machen. Vielleicht hilft eine Marktexpansion in die aufstrebenden Schwellenländer wie Brasilien und China, aber eine Garantie für einen Erfolg hat auch diese Strategie nicht.