Harte Kämpfe, angsteinflößende FOEs und das Aufleveln in seiner variantenreichsten Form: Wer mehr zum neuesten Ableger der Etrian Odyssey-Reihe wissen möchte, wird in dieser Kolumne gut bedient.

</em>

In den Staaten erschien Etrian Odyssey III: The Drowned City im September dieses Jahres und war dank Vorbestell-Bonus zumindest unter Fans der Kultfirma Atlus ein Must-Have. Auch ich zögerte nicht lange und bestellte das Spiel bereits im August. Ob das Spiel überhaupt in Europa erscheinen wird? Da der zweite Teil bereits nicht in den hiesigen Läden aufgetaucht ist und der erste Teil sehr schnell verramscht wurde, gehe ich nicht mehr von einer europäischen Veröffentlichung aus. Schade eigentlich, denn die Reihe überzeugt mit gigantischer Qualität im spielerischen Bereich und wird wohl noch lange dem Spielemarkt erhalten bleiben.

Etrian Odyssey III bietet in mehrerer Hinsicht mehr Innovationen als der Vorgänger: Das Spielprinzip hat sich zwar im Wesentlichen nicht verändert – es ist immer noch ein knallharter Dungeon-Crawler –, aber alle zehn Kampfklassen sind neu! Flinke Ninjas, trickreiche Piraten (als Buccaneers bezeichnet), standfeste Hopliten, heilende Mönche, zielsichere Arbalisten, naturverbundene Beschwörer (als Wildlings bezeichnet), elementbeherrschende Astrologen (Zodiacs), kommandierende Prinzen oder Prinzessinen, waghalsige Gladiatoren, ja sogar kluge Bauern stehen zur Verfügung. Mehr Klassen werden noch kommen – nur als kleine Randbemerkung. Das Spiel bietet auch eine Möglichkeit, mit anderen Etrian Odyssey-Spielern gegen große Feinde zu kämpfen und Items zu tauschen, aber aus naheliegenden Gründen konnte ich diese Connectivity-Features nicht ausprobieren. Für Abwechslung sorgt zudem der Schifffahrtsmodus: Die Spielerin oder der Spieler kann nicht nur wie bisher in das Labyrinth hineintauchen, sondern auch das Meer lässt sich erkundigen. Es gibt also mehr als genug zu entdecken. Das Subclassing-System kommt in diesem Teil ebenfalls zum ersten Mal vor, doch dazu möchte ich nicht zu viel verraten, da es erst zu einem späteren Zeitpunkt freigeschaltet wird.

Das Gameplay im Hauptspiel erinnert sehr an die Vorgänger, während einer Kampfrunde kann man entweder alle Aktionen selber entscheiden oder den Auto-Battle mit dem L-Knopf ein- und ausschalten. Wie schon beim Vorgänger zeichnet der Spieler oder die Spielerin für sich selber Karten, um die Orientierung zu erleichtern. Für diesen Zweck benutzt man den Touchscreen und die verschiedenen Symbole aus der Menüliste. Um die Spielbarkeit noch weiter zu erhöhen, haben die Entwickler mehrere kleine Verbesserungen eingebaut: Während in den ersten zwei Spielen die Limit-Skill kaum eingesetzt wird, bereichert sie diesmal das Spiel wesentlich. Bei den Vorgängern dauert das Aufladen der Limits zu lange, diesmal kommt der Spieler oder die Spielerin viel schneller dazu, sie einzusetzen. Die Limit-Skills sind auch nicht mehr an die Spielcharaktere gebunden und können frei an die Kampftruppe verteilt werden. Außerdem werden die meisten von ihnen in 2er- oder 3er-Teams ausgeführt, aber es reicht, wenn nur ein Mitglied den Limitbalken gefüllt hat. Als eine interessante Erweiterung stellt sich die Schmiede heraus: Im Spiel lassen sich verschiedene Hämmer finden, die dann die Händlerin dafür verwendet, bestimmten Waffen spezielle Eigenschaften zu geben. Das Spiel lässt sich deshalb theoretisch noch individueller gestalten.

Ihr Schwierigkeitsgrad machte die Etrian Odyssey-Reihe berühmt. Gibt sich der dritte Teil auch so gnadenlos wie seine beiden Vorgänger? Bis jetzt bin ich nur ein einziges Mal völlig geschlagen und mehrere Male knapp dem Tod der gesamten Truppe entkommen, und die Niederlage war auch noch eher unnötig, weil die Chance für den Sieg eigentlich schon auf der Hand lag. Mit anderen Worten, das Spiel empfinde ich als etwas leichter als die Vorgänger, aber dank meiner Erfahrung habe ich mich am Anfang nur wenig verzettelt. Die große Schwierigkeit ist damit bereits gesagt: Die große Auswahl an individueller Anpassung kann manche Anfänger oder Anfängerinnen überfordern. Und gemein wie die Leute von Atlus sind, können die Spieler schon auf der ersten Ebene einer großen Raubkatze begegnen, die im schlimmsten Fall einen Kämpfer nach dem anderen in Stücken schneidet. Wer diese Phase heil übersteht und seine Truppe gut an die Umgebung anpasst, kann jedoch das Spiel gut bewältigen.

Etrian Odyssey spricht eine ganz bestimmte Zielgruppe an. Die Präsentation sieht zwar niedlich und bunt aus, aber das Gameplay verlangt gute strategische Planung und zeigt sich unerbittlich, wenn manche Spieler und Spielerinnen waghalsig ins Abenteuer stürzen. Trotzdem empfehle ich auch den Leuten, die noch nie einen Teil dieser Serie gespielt haben, das Spiel auszuprobieren. Wer einmal die ungeheure Spieltiefe erfahren hat, wird nie mehr von der Serie wegkommen wollen.