Eine kleine Marktanalyse zu Spielentwicklung und -angebot des Handhelds. Was werden Spielproduzenten aus dem Potenzial des 3DS machen? Wie stehen die Chancen für innovative Spielkonzepte?

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Der 3DS kommt im März auf den Markt. Viele der bisher vorgestellten Spiele gehören zu den Highlights von 2011, darunter das innovative Kid Icarus und Steel Diver. Viele sind Fortsetzungen von beliebten Reihen wie Resident Evil, Dead or Alive, Pilot Wings und Paper Mario. Dazu gesellen sich Portierungen wie Super Street Fighter IV und Remakes wie The Legend of Zelda: Ocarina of Time. Zweifellos viel Qualität bereits im ersten Jahr, und doch fragen sich nicht wenige Spielerinnen und Spieler, wie sich das Spielangebot in den nächsten Jahren entwickeln wird.

Werfen wir einen Blick zurück: Der Game Boy und der GBA gehören zu den erfolgreichsten Handhelds, viele Spiele auf diesen Systemen gelten als Klassiker. Aber sehr oft behandelten die Spielproduzenten die zwei Plattformen eher zweitrangig, billige Ableger oder rasche Umsetzungen von Heimkonsolentiteln füllten die Regale in den Läden. Der DS konnte diese Mentalität zumindest bei den japanischen Entwicklern durchbrechen. Der Grund liegt im Hardware-Design: Wer die zwei Bildschirme, Touchscreen und Mikrofon sinnvoll nutzt, kann originelle Spiele auf den Markt bringen. Die PSP verlor auch deshalb das Rennen um die Marktherrschaft, weil sie zu viel zurechtgestutzte Konsolentitel und zu wenige neue Spielkonzepte vorwies.

Beim 3DS-Hardware-Design hat Nintendo durchaus neue Elemente eingebaut, namentlich Bewegungssensor, Analog-Nub und eine 3D-Kamera. Aber am meisten Aufmerksamkeit bekam der 3D-Bildschirm, und dieser Fokus zeigt sich auch in den Spielentwicklungen: Die meistgeachteten Titel gehören zu den traditionellen Spielen, das heißt, sie lassen sich wie jene auf den Heimkonsolen mit einem Controllerpad spielen. Das Verkaufsargument beschränkt sich deshalb auf „tolle Grafik auf einem Handheld mit 3D-Effekt!“, während nur einige Nintendo-Titel neue Spielkonzepte vorweisen können. Kehrt der 3DS etwa zurück zu der dunklen Zeit der Handheldgeschichte, als die Spielindustrie das portable Spielen als Nebenprodukt zu den Heimkonsolen betrachtete?

Einige Befürchtungen sind verständlich, weil Nintendo einige Fehler der PSP mit dem 3DS wiederholt: Der hohe Hardwarepreis und die starke Grafikleistung begünstigen eher konservative Spielentwicklungen; originelle und eher günstige Spiele hingegen haben es wegen der hohen technischen Standards schwieriger. Wie kann Nintendo dieser Entwicklung entgegenwirken? Wie bereits erwähnt, haben die Hardware-Designer auch neue Steuerungsmöglichkeiten eingebaut und somit gewährleistet, dass ein Spielentwickler auch unkonventionelle Steuerungen und Spielideen ausprobieren kann. Ausserdem steht Nintendo wie keine andere Firma für neue Spielkonzepte und springt notfalls in die Bresche, wenn die Dritthersteller nichts wagen.

Wahrscheinlich hofft Nintendo, dass der 3DS ganz von alleine zu einem vielfältigen Spielangebot findet. Tatsächlich kommt die bisherige Marktentwicklung dem Handheld entgegen: Zahlreiche Serien, die früher auf Heimkonsolen erschienen sind, können aufgrund der horrenden Entwicklungskosten nicht mehr auf diesen Plattformen weitermachen. Der DS konnte bereits beweisen, dass mittelteure RPGs auf Handhelds besser funktionieren als auf einer PS3. Die Spielproduzenten würden sich deshalb selber ein Bein stellen, wenn sie den 3DS bloß als eine Möglichkeit für Zusatzverdienste behandeln würden. Auf lieblose Portierungen können wir verzichten, außerdem wäre es viel zu schade um das tolle Potenzial des Handhelds. Spielerinnen und Spieler sollten aus diesem Grund ihre Augen offenhalten und jene Spiele mit einem Kauf belohnen, die nicht bloß das Übliche mit 3D-Effekt darstellen.