Die Mini-Reviews für den Monat Juli umfassen die Neuauflage eines echten Klassikers, sowie zwei ältere DSi Ware-Titel, welche aufgrund des Launchs des Nintendo eShops nochmals Erwähnung finden sollten.


The Legend of Zelda: Ocarina of Time 3D (3DS)

Mit den vor dem Release veröffentlichten Screenshots dieses langerwarteten Remakes traf Entwickler Grezzo bei den skeptischen Fans nicht gerade auf positive Rückmeldungen. Ocarina of Time 3D sei „zu bunt“, „zu gelb“ und kein Vergleich zum kommenden Star Fox-Remake. Außerdem sei es eine Schande, dass das Original in Sachen Inhalt 1:1 übernommen wurde und keine der im Laufe der Jahre entdeckten Kürzungen und Schnitte der Nintendo 64-Version ihren Weg zurück ins Spiel fänden. Und auch wenn letzteres durchaus schade ist, können alle Nörgler zumindest im Falle der visuellen Präsentation aufatmen: Ocarina of Time 3D ist eine wunderschön aufpolierte Neuveröffentlichung des legendären ersten 3D-Zeldas und die definitive Version für all diejenigen, welche noch nie in den Genuss dieses Meisterwerks kamen!

Die erste augenscheinliche grafische Änderung ist natürlich das Polygon-Modell von Link, welches nun in neuem Glanz erstrahlt und dessen Auftritt in „Super Smash Bros. Melee“ ähnelt. Auch die neuen Animationen des grün gekleideten Recken sind schön anzuschauen und kommen dank der höheren Framerate und dem dadurch schnelleren Spieltempo bestens zur Geltung. Auch die Modelle der nicht spielbaren Charaktere sind ordentlich, wobei hier und dort sicherlich noch ein wenig mehr drin gewesen wäre (was vor allem bei den Gegnern auffällt). Allerdings sind es die Texturen, welche die Show stehlen: Dank ihnen erstrahlt Hyrule in neuem Glanz und lässt die speicherarmen Nintendo 64-Zeiten weit hinter sich. Gepaart mit den nun komplett in Echzeit gerenderten Hintergründen und den mit viel Liebe zum Detail gestalteten Innenräumen ergibt sich ein durch und durch hervorragendes Gesamtbild.

Umstritten war die Entscheidung, den berühmten Soundtrack von Ocarina of Time nicht neu aufzulegen. Zwar ist es verständlich, dass der für die Musik der 3DS-Neuauflage verantwortliche Mahito Yokota sich möglichst genau an die Vorlage von Großmeister Koji Kondo halten wollte, aber dennoch stellt man sich die Frage, was mit den Sound-Kapazitäten des 3DS möglich gewesen wäre.

Die zwei einzigen neuen Features des Remakes wurden dann beim Rühren der Werbetrommel auch sogleich groß angepriesen: Ich spreche natürlich von dem freischaltbaren Master Quest und der Möglichkeit, jederzeit wieder gegen die verschiedenen Endgegner anzutreten. Master Quest (welches nach einmaligem Durchspielen des Hauptspiels verfügbar ist) stellt defintiv einen willkommenen Zusatz dar. Nicht nur wurden die (teils sehr abstrus) veränderten Dungeons übernommen, auch wurde ganz Hyrule gespiegelt (was Veteranen sicher nicht nur einmal verwirren wird) und die Gegner fügen doppelten Schaden zu (womit Zelda das erste Mal seit vielen Jahren auch erfahrene Spieler wieder herausfordern wird). Da nicht viele Videospieler bisher die Chance hatten, Master Quest zu spielen, ist all dies sehr erfreulich.

Der „Boss Rush“-Modus hingegen ist kaum der Rede wert. Hier können alle Endgegner (bis auf den ultimativen Showdown) nochmals herausgefordert werden. Doch auch wenn die Endgegner im Spiel stets einen Höhepunkt darstellen, so sind sie für Fans der Reihe wohl kaum eine Herausforderung, was diesem neuen Modus jeglichen Reiz nimmt.

Mit Ocarina of Time 3D hat eines der besten Spiele aller Zeiten ein würdiges Remake erhalten. Die volle Punktzahl kann ich jedoch nicht vergeben, da es sich trotz allem um ein mehr als zehn Jahre altes Spiel handelt und es an Neuerungen mangelt. Dennoch, die grafische Neupolitur, der Einsatz des Touchscreens zur Menünavigation und natürlich der überzeugende 3D-Effekt machen diesen Titel zu einem lohnenden Kauf für all diejenigen, die von Ocarina of Time nicht genug bekommen können und natürlich für alle, die es noch nie gespielt haben!

Otaku1990 vergibt 4 von 5 Takos


Photo Dojo (DSi Ware)

In Photo Dojo dreht sich alles um die eingebaute Kamera und das Mikro des Nintendo DSi und 3DS. Bevor es in diesem simplen Prügelspiel zur Sache gehen kann, muss zuerst ein Kämpfer erstellt werden. Dafür werden 13 verschiedene Fotos in unterschiedlichen Posen (z.B. Schlag, Tritt, Deckung und Siegerpose) von einem freiwilligen Opfer geschossen. Ist alles zur eigenen Zufriedenheit, müssen noch zehn Sound-Samples aufgenommen werden, wofür das Modell kurze Ausrufe wie „Aua!“, „Nimm das!“ usw. ins Mikro brüllt. Acht Kämpfer-Slots können auf diese Weise belegt werden.

Wurde schließlich auch eine passende Arena fotografiert, stehen dem Spieler zwei Modi zur Auswahl: Zweikampf und Einzelkampf. Im Zweikampf treten zwei menschliche Spieler an einem DS-System gegeneinander an, wobei jeder eine Hälfte des Geräts in einer Hand hält. Die Spielfigur wird dann mit dem Steuerkreuz/Slidepad bzw. den Aktionsknöpfen bewegt, angegriffen wird per L- oder R-Button. Leider gibt es hier keine Möglichkeit, gegen den Computer anzutreten. Im Einzelkampf bestreitet man mit einem selbst erstellten Krieger seiner Wahl einen Ausdauerwettkampf gegen 100 Computer-Gegner und versucht, möglichst viele der Feinde zu besiegen, bevor die Energieleiste aufgebraucht ist.

Das Konzept von Photo Dojo ist überaus witzig umgesetzt und auch wenn das Posieren für die Kamera nicht immer perfekt klappt (vor allem, wenn man es mit dem Selbstauslöser versucht), sind die Resultate doch immer einen Lacher wert. Enttäuschend ist die magere Auswahl an Spielmodi; hier ist man von Nintendo normalerweise mehr gewohnt. So sorgt das Erstellen der Kämpfer für mehr Spaß als die eigentliche Prügelei. Dennoch kann man hier bei einem Preis von 2 € nicht viel verkehrt machen.

Otaku1990 vergibt 3 von 5 Takos


PiCOPiCT (DSi Ware)

Bei PiCOPiCT handelt es sich um einen Teil der bei Kennern beliebten Art Style-Serie. Das Spielprinzip lässt sich am ehesten mit dem von Tetris vergleichen: Blöcke fallen vom oberen Bildschirmrand hinunter und es ist die Aufgabe des Spielers, diese auf möchglichst punktebringende Art und Weise wieder zu entfernen. Allerdings lassen sich die Blöcke (sogenannte Mega-Pictos), welche in diversen Formationen daherkommen, im Gegensatz zu Tetris nicht steuern. Stattdessen muss der Spieler aus einem Vorrat einzelner Steinchen (den Pictos) am unteren Bildschirmrand schöpfen und diese dazu verwenden, die Mega-Pictos aufzulösen. Bei Berührung werden die Pictos in eine Leiste am linken Bildschirmrand gespeichert, woraufhin sie überall im Spielfeld wieder abgelegt werden können. Ergeben sich durch die Kombination von kleinen und großen Blöcken bestimmte Formationen (wie eine Viererreihe oder ein Quadrat), so wird diese Formation aufgelöst und dem Punktekonto gutgeschrieben.

Die Pictos und Mega-Pictos kommen in unterschiedlichen Farben daher, welche sich bei jedem aufgelösten Block nach und nach zu einem kleinen Bildchen zusammensetzen. Bei diesen Bildchen handelt es sich um die 8-Bit-Sprites bekannter Nintendo-Helden wie Mario, Link und den Ice Climbers. Wurden genügend Blöcke der einzelnen Farben aufgelöst, vervollständigt sich das Bild und die jeweilige Stage ist abgeschlossen. Wie hoch die Punktzahl schließlich ausfällt, hängt dabei nicht nur von der Schnelligkeit des Spielers ab, sondern auch von der Anzahl der Combos, die während des Spielverlaufs erreicht wurden. Die Möglichkeit für Combos ist gegeben, wenn die Pictos geschickt so platziert wurden, dass mehrere Mega-Pictos gleichzeitig aufgelöst werden oder wenn der Spieler die kurze Zeitspanne, in der sich ein Block auflöst (und das Spielgeschehen stillsteht), nutzt, um weitere Formationen zu bilden. Je höher der Combo-Zähler, desto schneller setzt sich das Bild auf dem Topscreen zusammen.

Wer sich durch die insgesamt 30 Stages (15 normale und 15 freischaltbare) kämpft, wird schnell merken, dass PiCOPiCT nicht nur Strategie, sondern auch schnelle Reflexe erfordert. In den späteren Levels regnen immer mehr Blöcke in immer schnellerem Tempo herab, sodass dem Spieler kaum mehr Zeit bleibt, Pictos zu platzieren, es sei denn, er nutzt das Combo-Feature und verschafft sich so die notwendige Zeitverzögerung. Leider passiert es im Eifer des Gefechts immer wieder, dass man sich mit dem Stylus vertippt und dadurch in brenzlige Situationen kommt. Das ist oft ärgerlich und stellt auch den einzigen wirklichen Kritikpunkt des Spiels dar.

Für jede aufgelöste Formation verdient man übrigens Münzen, welche entweder gegen schwerere Versionen der ursprünglichen Levels oder Musikstücke für das Sound-Menü eingetauscht werden können. Die Musik von PiCOPiCT stellt auch eine der größten Stärken des Spiels dar, denn dabei handelt es sich um Remixes beliebter NES-Melodien, neu aufgelegt von der japanischen Chiptune-Band „YMCK“ und passend zum charmanten Retro-Look, in welchem sich dieser Titel präsentiert.

Mit PiCOPiCT hat Nintendo einen Puzzler der Extraklasse erschaffen. Die manchmal ungenaue Steuerung und das Fehlen einiger berühmter Nintendo-Klassiker (wie Metroid oder Kid Icarus) sind zwar schade, lassen sich aber verschmerzen. Dafür überzeugt der fordernde Schwierigkeitsgrad und die schöne Präsentation. Für 5 € ein absolutes Muss!

Otaku1990 vergibt 4 von 5 Takos