Über die Spielindustrie gibt es in den vergangenen Monaten nicht viel zu sagen. Warum auch? Die nächste Generation lässt auf sich warten, und viele Informationen wurden nicht verraten, weil vieles auch noch nicht feststeht.

Nicht wenige Vielzocker schätzen diese lange Generation: zahlreiche Qualitätsspiele, langlebige Hardware (Ausnahme: die ersten Xbox 360) und viel Online Gaming. „So kann es weitergehen“, denken sie. Der Vorteil liegt auf der Hand: Wer schon viel Geld in eine neue Konsole investiert hat, will die Konsole auch möglichst lange brauchen – möglichst guten „return of investment“, sozusagen. Langjährige Leserinnen und Leser mögen sich daran erinnern, dass einige Brancheninsider bereits vor Jahren spekulierten, dass zukünftige Konsolengenerationen immer länger werden, weil die sichtbaren grafischen Fortschritte immer kleiner werden. Doch diese Theorie scheint langsam zu bröckeln.

Nintendo greift als erste Konsolenfirma an, die Wii U soll in der zweiten Hälfte 2012 erscheinen – also Spätsommer 2012, spätestens Ende 2012. Präsident Iwata und seine Leute mögen spezifische Gründe für diesen Zug haben, aber können sich die Konkurrenten erlauben, die Wii U für längere Zeit alleine auf dem Markt zu lassen? Zwar ist ein Vorpreschen vor 2013 eher unwahrscheinlich, weil die Konsolenentwicklung ihre Zeit braucht. Die Hoffnung einiger Spielenthusiasten auf einer neuen Xbox und Playstation nach 2014 ist allerdings ebenso unwahrscheinlich, ein zu später Eintritt bedeutet mindestens 10 Millionen verkaufte Wii U, die Nintendo als Vorsprung hat.

Ausgerechnet die jetzige Stille in der Industrie weist darauf hin, dass alle drei Konsolenhersteller intensiv am Werkeln, am Patentieren, und am Ausarbeiten von Verträgen sind. Die Geheimniskrämerei geht bis zu den Drittherstellern, vor allem die großen Player wie EA und Activision kämpfen um eine enge Zusammenarbeit mit Sony, Microsoft und Nintendo, damit sie einen Wissensvorsprung vor der Konkurrenz haben. Im Vergleich zu früher hat die Geheimhaltung allerdings zugenommen, als ob die Konzerne noch nervöser geworden seien. Die Ausgangslage würde darauf hindeuten: Sony leidet immer noch unter dem Hybris der früheren Jahre, als Playstation mit Videospielen gleichgesetzt wurde; Microsoft verliert das Vertrauen seiner Anleger, die nach Jahren der Kursstagnation und mieser Geschäftszahlen außerhalb der Kernprodukte (Windows und Office) das Management auffordern, die Geschäftsstrategie zu verändern; Nintendo wiederum kämpft wie alle japanischen Firmen mit dem starken Yen und den sinkenden Verkaufszahlen aller Kernprodukte. Ob eine der drei Firmen das Geschäft nach der nächsten Generation aufgeben muss? Ich halte dieses Szenario für wahrscheinlich.

Noch ein paar Worte zu den Aussichten im technischen Bereich: Vor einem Jahr gehörte ich noch zu jener Gruppe, die einen moderaten Leistungsanstieg vorhersagten. Mittlerweile schließe ich nicht aus, dass Sony oder Microsoft mit Gigaflops und anderen Technikmaßstäben beeindrucken wollen. Dabei entscheiden zwei Variablen die Erwartungen: Zeit (wann kommt die Maschine auf den Markt?) und Preis (wie teuer ist die Konsole?). Nach den neuesten Gerüchten soll die neue Xbox bereits bei der nächsten CES-Messe vorgestellt werden. Wer die Erwartung hat, dass diese Konsole zu diesem Zeitpunkt eine ganze Generation weiter als die Wii U sein und dabei noch einen vernünftigen Preis haben wird, der wird mit Sicherheit enttäuscht sein.