Der Start war harzig, der Endspurt dafür umso beherzter. Diese Kolumne zeigt auf, wie der 3DS sich in den nächsten Jahren entwickeln könnte und auf was wir hoffen dürften. Oder werden etwa Smartphones das Geschäft dominieren?

Für Satoru Iwata, Nintendos Präsident, war das Jahr 2011 schwierig. Der Tiefpunkt wurde in der zweiten Hälfte des Jahres erreicht, als er zugeben musste, den 3DS über den Marktverhältnissen platziert zu haben. Es folgte eine radikale Preissenkung und die Ankündigung, den Lohn aller höheren Kaderleute zu senken. Damit nicht Busse genug, verschenkte Nintendo per Online-Distribution fast zwei Dutzend Spiele an alle 3DS-Besitzerinnen und –Besitzern,  die vor der Preissenkung den 3DS kauften.

Das Krisenmanagement wirkte rasch: Abgesehen von ein paar Dauernörglern zeigen viele 3DS-Zocker viel Verständnis für die rasche Preissenkung und haben sogar das Verschenken von Spielen gelobt (andere Firmen, nicht nur in dieser Industrie, können sich durchaus ein Scheibchen davon abschneiden). Das Weihnachtsgeschäft hatte Nintendo fest im Griff, Spiele wie Super Mario Land 3D und Mario Kart 7 verkauften sich millionenfach, der 3DS selbst kann jetzt eine Basis von mindestens 12 Millionen Spielerinnen und Spielern vorweisen. Damit kann Nintendo beruhigt den Kampf mit Sonys Vita aufnehmen. Also alles in bester Ordnung?

Der beherzte Endspurt kostete viel. Kein Geheimnis bleibt das verlustreiche Geschäft mit der 3DS-Hardware, denn ein 3DS mag für 250 Euro wohl ziemlich teuer sein, überteuert war er aber nicht. Nintendo begründete zwar den Preis unter anderem mit dem positiven Echo der Presse, aber die entscheidende Rolle spielt der absurd tiefe Kurs des Dollars und des Euros. Ob Nintendo für das jetzige Geschäfts trotz guter Hardware-Verkäufe mit einem Plus abschließen kann, ist zumindest fraglich.

Die Konkurrenz kommt nicht nur von Sonys Ecke, sondern auch von den Smartphones, allen voran Apples iPhone. Zwar muss das Ökosystem um die Apps noch beweisen, dass es auch in den nächsten Jahren lebensfähig ist, denn die extrem günstigen Spiele müssen sich millionenfach verkaufen, um überhaupt einen signifikanten Gewinn zu erzielen; aber nichtsdestotrotz hat Apple den traditionellen Handhelds Kunden weggeschnappt, und damit auch Entwickler. Günstige Nachahmungen von erfolgreichen Spielen, die von Firmen wie Gameloft in Akkordarbeit produziert werden, überfluten dabei den Markt und machen das Leben den etablierten Firmen schwer.

Zumindest in diesem Jahr sollte das Geschäft rund um 3DS gut laufen: Die Spielehersteller bringen tolle Hochkaräter wie Monster Hunter, Resident Evil und Kingdom Hearts auf den Markt, japanische Zocker können sich außerdem noch auf Love Plus freuen. Die guten Absatzzahlen fördern das Vertrauen in das Gerät, weshalb viele neue Spielankündigungen in diesem Jahr zu erwarten sind. Für den 3DS spricht auch die Tatsache, dass bisher noch niemand die 3DS-Spiele kopieren kann. Zwar glaube ich nicht, dass sich dadurch mehr Spiele verkaufen lassen, aber viele Spielentwickler unterstützen eine Plattform nur, wenn ihre Spiele von Raubkopien geschützt sind. Allerdings wird der kopiersichere 3DS vermutlich nicht die Hardware-Zahlen des Vorgängers erreichen, denn viele kauften den DS vor allem deswegen, weil sie keine Spiele dafür kaufen mussten – so populär waren Raubkopien!

Wenn die Software stimmt, dann kann nur noch die Hardware einen überwältigenden Erfolg verhindern. Der 3DS mag im Vergleich mit dem ersten DS das reifere Produkt darstellen, schließlich hatte Nintendo mehr Zeit für die Entwicklung; Mängel hat er dennoch, allen voran die geringe Akku-Zeit nervt Spielerinnen und Spieler immer wieder. Ein Redesign, d.h. eine verbesserte Version des 3DS wird früher oder später auf den Markt kommen, aber noch lässt sich nicht abschätzen, wie sehr das Publikum eine solche Revision herbeisehnt. Entwickeln sich die Verkaufszahlen weiterhin so positiv wie bisher, könnte sich Nintendo mit einem Redesign Zeit lassen.