Dieses Jahr bringen die Monsterjäger sowohl auf Wii U als auch auf 3DS wieder riesige Ungeheuer zur Strecke. Diese Tatsache ist Grund genug, die Vorfreude in dieser Kolumne angemessen zu formulieren.

Die Monster Hunter-Serie ist ein seltsames Phänomen: In Japan hat sie eine feste Spielergemeinde in Millionengröße, im Westen zählt sie jedoch nicht zu den Blockbuster-Größen eines Call of Duty; Fans dieser Serie rühmen die Spielbalance als nahezu perfekt, Ungeduldige klagen über den herausfordernden Schwierigkeitsgrad; Nintendo-Zocker feiern die Firma Capcom für ihre Entscheidung, das Spiel für Wii U und für 3DS zu entwickeln, während sich andere maßlos ärgern, dass Monster Hunter partout nicht „Next Gen-würdig“ sein will. Warum tut sich die Serie so schwer, alle gleichermaßen zu begeistern?

Capcoms Monster Hunter verdankt seinen Erfolg in erster Linie der ausgefeilten Spielbalance: Um auch die größten und aggressivsten Urviecher flachlegen zu können, muss der Spieler nicht nur die Waffenhandhabung meistern, sondern auch gute Rüstungen schmieden lassen; beides erfordert Zeit und Hingabe. Viele Spielerinnen und Spieler im Westen sind jedoch zu oberflächlich, um das komplexe Spielsystem begreifen zu wollen. Stattdessen ballern sie lieber in First-Person-Shootern mit automatisiertem Zielen oder klicken sich die Levels hoch in einem MMORPG. Monster Hunter wirkt wie das Gegenteil dessen: Die Monster bewegen sich zum Teil rasant und flink, der Spielcharakter hingegen langsam. Außerdem erreicht der Spieler oder die Spielerin nichts mit „Button Mashing“, gutes Timing und ständiges Beobachten der Situation führen häufiger zum Ziel. Monster Hunter erreichte in Japan Kultstatus mit den Handheld-Games, weil das lokale Zusammenspielen dort sehr populär ist. Spielerinnen und Spieler im Westen hingegen sitzen eher zu Hause und suchen ihre Spielergruppen im Internet, deshalb geht ein hoher Teil der Attraktivität der Serie verloren.

Dieser kulturelle Unterschied erklärt jedoch nur zum Teil, warum Capcoms Parade-Serie im Westen den Tritt nicht findet. Da Capcom den größten Erfolg auf Handhelds findet, scheut die Firma große Investitionen auf Heimkonsolen. Auf diese Weise konnte Capcom jedoch keine großen Werbeaktionen führen, die Spiele haben bis auf Monster Hunter Tri deshalb ein Nischendasein gefristet. Ein Glück, dass Nintendo seit Monster Hunter Tri die Werbung mitfinanziert! Seitdem verknüpfen die beiden Firmen ihr Schicksal: Auf der einen Seite der Hersteller der noch schwächelnden Wii U, der dringend tolle Spiele für seine neue Konsole braucht, auf der anderen Seite der strauchelnde Spieleproduzent, der zwar großartige Serien wie Resident Evil und Devil May Cry im Sortiment hat, in der HD-Ära aber viel an Einfluss verloren hat. Für Monster Hunter 3 Ultimate scheut Nintendo keinen Aufwand und bietet sogar Bundles sowohl für Wii U als auch für 3DS. Da das Spiel zeitgleich für beide Plattformen erscheint, kann Nintendo zudem hoffen, dass Fans beide Versionen auf einmal kaufen.

Ob das Spiel den Erwartungen gerecht wird? In Japan loben die Spielerinnen und Spieler die hohe Qualität und die immense Quantität des neuesten Ablegers, in Europa können wir jetzt die Demos herunterladen. Nachdem Rayman für Wii U auf den Herbst verschoben wurde, bleibt Monster Hunter 3 Ultimate für eine gewisse Zeit das bestimmende Exklusivspiel für die Wii U. Die Bedingungen für eine erfolgreiche Lancierung sind daher gegeben, jetzt hoffen Capcom und Nintendo vor allem darauf, dass die Spielerinnen und Spieler dem Spiel eine Chance geben. Ich freue mich jedenfalls, bald mit vielen Jägerinnen und Jägern die Monstern zur Strecke zu bringen.