Es ist geschehen: Die DRM-Strategie für Spielkonsolen ist offiziell tot! Die heftigste Kehrtwende der Videospielgeschichte! Eine Kolumne über Arroganz, Ignoranz und andere Krankheiten in der Videospielindustrie. Und auf was sich die Spielerinnen und Spieler in der Zukunft gefasst machen müssen.

Welch eine Ironie! Hätte ich diese Kolumne vor Tagen geschrieben, der Tenor wäre gänzlich düsterer und bissiger. Aber Microsoft sah die Fakten, die schlechten Umfragewerte und das jämmerliche Vorbestellungsvolumen. Was, wenn nicht eine radikale Umkehrung der bisherigen Geschäftspolitik, kann die neue Spielkonsole „Xbox One“ noch retten? Deshalb lässt die Firma ihre DRM-Strategie ohne Wenn und Aber fallen. Zur Erinnerung: Microsoft wollte den Konsumentinnen und Konsumenten die DRM schmackhaft machen, auf Deutsch die „digitale Rechteverwaltung“. Nach ihrer größenwahnsinnigen Vorstellung würde die Firma alle 24 Stunden den Spielekatalog aller Spielerinnen und Spieler überprüfen, Leihen und eigenständiges Verkaufen wären nicht erlaubt ohne die Bewilligung von Microsoft. Die Spielerinnen und Spieler können von dieser Politik kaum profitieren, die großen Vertreiber und natürlich Microsoft umso mehr, denn sie gewännen mehr Kontrolle über die Spiele und könnten potentiell mehr Gewinne erzielen.

Die Spielergemeinde antwortete mit wütenden Reaktionen und kündigte die Treue zur Marke „Xbox“. Aber die Verantwortlichen von Microsoft hielten an ihre Pläne fest und preisten stattdessen die Entmündigung ihrer Kundschaft mit seidenen Argumenten. Diese Arroganz war für die Konkurrenz eine Steilvorlage: Sony verkauft ihre neue Konsole mit dem Hinweis, man könne gebrauchte Spiele auf der PS4 benutzen, während Nintendo genüsslich zur Auskunft gibt, dass sie mit hoher Spielqualität dafür sorgt, dass ihre Kundschaft gar nicht erst daran denken, die gekauften Spiele wieder zu verkaufen. In ihrer Position derart geschwächt, konnte Microsoft gar nicht anders, als ihre DRM-Strategie aufzugeben.

Was bleibt, ist der Imageschaden. Spätestens jetzt wissen alle Spielerinnen und Spieler, wie wenig Microsoft von der Videospielkultur hält. Diese Haltung überrascht die Veteranen allerdings nicht, bereits ab der ersten Xbox habe ich – mit anderen Spielenthusiasten – stets gesagt, dass die Firma nicht des Videospiels wegen in dieses Geschäft eingestiegen ist. Diese Warnung wurde jedoch ignoriert, mit Milliardeninvestitionen und gekaufter Zeitexklusivität von begehrten Spielen verführte Microsoft Millionen von Spielerinnen und Spielern. Dass man jedoch derart dreist mit der drakonischen DRM die Kundschaft abschöpfen wollte, habe selbst ich nicht vorhersehen können. Respekt vor der Videospielkultur sieht anders aus.

Auch die Spielergemeinde musste trotz Microsofts Kehrtwende eine Niederlage einstecken: Im Windschatten des DRM-Debakels  schaffte es Sony, das Online-Gaming zu einem bezahlpflichtigen Dienst umzuwandeln, indem es mit dem PS+ (einer bisher bezahlpflichtigen Dienstleistung) verknüpft wird. Die Spiele-Fans sahen jedoch über diese Dreistigkeit hinweg, weil die Aversion gegenüber Microsofts Plänen viel stärker war. Somit werden nun beide Spielkonsolenlager für einfaches Online-Gaming geschröpft, einzig Nintendo hält an die Selbstverständlichkeit fest, gratis Online-Gaming zu bieten.