Als mein Kalender mir den achten Geburtstag von Retro V ankündigte (ja, ich habe das Gründungsdatum meines Blogs als Geburtstag in meinen Kalender eingetragen), war ich erst einmal ziemlich erschrocken. Sofort schoss mir das Bild von der Drei mit Waschbärschwanz, welches ich anlässlich des dritten Geburtstags von Retro V dem Super Mario Bros. 3-Logo entliehen hatte, in den Kopf. Das kann doch keine fünf Jahre her sein!

Oh doch, kann es. Und wenn ich einmal genauer darüber nachdenke, sind diese fünf Jahre auch nicht einfach spurlos vorübergegangen. Nein, mein Platz in der Videospielwelt hat sich in dieser Zeit erheblich geändert. Das gefürchtete „Keine-Zeit-mehr-zum-Zocken-haben“, dessen Existenz ich in jüngeren Jahren geleugnet hatte oder dessen Ursache ich zumindest auf ein mangelndes Interesse der Betroffenen am Medium geschoben habe, hat mich mit voller Breitseite erwischt. Und dabei hat meine Leidenschaft für Videospiele keineswegs abgenommen. Ganz im Gegenteil: Ich versuche so viel Zeit wie möglich für mein liebstes Hobby freizuschaufeln, aber dies gestaltet sich immer schwieriger. Die gefürchtete Dreifaltigkeit aus Studium/Arbeit, Partner/-in und Freundeskreis klopfte zunächst höflich an meine Tür und trat diese im nächsten Augenblick mit Nachdruck ein.

Das hatte nicht nur Einfluss darauf, wieviel ich zockte, sondern auch was ich zockte. Ich bin zunehmend zum Blockbuster-Gamer mutiert, spiele also fast nur noch die großen Titel, weil die vielen kleinen Veröffentlichungen nun einmal zweitrangig sind und meine Zeit kostbar. Und wo ich vor zwei, drei Jahren noch darüber nachgedacht habe, ob sich für mich die Anschaffung einer PS3 lohnen würde, schmunzle ich heute nur noch über diesen Gedanken, denn mit meinen Nintendo-Konsolen bin ich bereits vollkommen ausgelastet. Was, auf der Wii U erscheinen kaum Spiele? Wunderbar, dann kann ich vielleicht endlich mal Super Mario 3D World durchspielen!

Apropos Nintendo: Schon interessant zu sehen, in welcher Position sich Nintendo im Vergleich zu 2006, als Retro V online ging, befindet. In jenem Jahr erschien schließlich die Wii und sollte die Videospiel-Industrie gehörig auf den Kopf stellen. Ein großes Risiko, das sich ausgezahlt hat. Im Vergleich dazu ist die Wii U ein vorsichtiger Versuch, das Erbe der Wii weiterzuführen. Funktioniert hat das bisher nicht und meiner Meinung nach wird sich bereits Ende Mai mit der Veröffentlichung von Mario Kart 8 zeigen, ob sich die Situation noch ändern kann. Bleiben die Verkaufszahlen wie bisher, glaube ich nicht, dass ein Smash Bros. oder ein Zelda daran noch viel ändern können. Mir persönlich ist das insofern egal, als dass ich Nintendo wahrscheinlich sowieso den Rest meines Lebens treu bleiben werde, aber genau deswegen liegt mir das Wohl der Firma natürlich am Herzen. Übrigens finde ich nicht, dass Nintendos Software in den letzten Jahren an Qualität verloren hat. Klar, 3D World konnte mich nicht derart begeistern wie Galaxy oder gar dessen Nachfolger. Aber es ist auch schwer, eines der besten Spiele aller Zeiten zu übertreffen. Stattdessen fühlte ich mich mit Fire Emblem Awakening wieder wie ein kleiner 16-jähriger Nerd, wiederentdeckte beim Herausforderungs-Modus von Pikmin 3 meinen für einen Videospieler typischen, schier unerschöpflichen Ehrgeiz, mich selbst übertreffen zu wollen, und zeige mich beeindruckt von dem auf Hochglanz polierten Mario Kart 8, mit dem Nintendo zeigt, dass sie durchaus mit einer HD-Konsole umgehen können.

Trotz allem muss ich zugeben, dass mich derzeit nicht mehr viel dazu veranlasst, voller Mitteilungswut zum Keyboard zu springen und für Retro V in die Tasten zu hauen. Dadurch, dass Videospiele inzwischen nur noch einen relativ kleinen Teil meines Lebens darstellen, fehlen mir oft die Themen für interessante(!) Artikel. Natürlich könnte ich ein Review nach dem anderen schreiben, aber zum einen wären diese, bis ich den entsprechenden Titel erst einmal durchgespielt hätte, bereits obsolet und zum anderen habe ich den Blog damals nicht gegründet, um in die Fußstapfen zig anderer Videospiel-Websites zu treten. Ich entschuldige mich also bei allen Lesern für den mangelnden Lesestoff, den Retro V derzeit zur Verfügung stellt, hoffe aber gleichzeitig, dass die wenigen neuen Artikel auch in Zukunft noch auf Interesse stoßen werden. Den Blog einstellen möchte ich jedenfalls auf keinen Fall! Zumindest die zehn Jahre müssen wir ja wohl noch voll bekommen, oder?