Niemand kann bestreiten, dass Nintendo gerade die beste E3 seit Jahren hinter sich gebracht hat. Warum das Konzept der digitalen Pressekonferenz diesmal glückte und ob man mit den vorgestellten Titeln zufrieden sein kann, möchte ich in diesem Artikel untersuchen.

Das mit Spannung erwartete „Digital Event“ startete humorvoll: In einem Stop-Motion-Sketch von den Robot Chicken-Machern betrat eine Reggie-Puppe die Bühne und eröffnete mit einigen selbstironischen (und im Falle der Mother 3-Bemerkung schmerzhaften) Scherzen die Präsentation. Mit dem, was darauf folgte, hatte aber wohl niemand gerechnet: Reggie und Iwata, dieses Mal leibhaftig, lieferten sich einen herrlich übertriebenen Martial Arts-Kampf, der in einem Smash Bros.-Duell mit deren Miis gipfelte. Manch einem mag es missfallen, wie sich die Nintendo-Köpfe ins Rampenlicht stellen, jedoch zeigen solche Sequenzen, dass sich Nintendo wieder seinen treuesten Fans widmet. Eine nachvollziehbare Reaktion, denn auch wenn Mario Kart 8 die Verkäufe der Wii U kürzlich ankurbeln konnte, wurde ein noch größeres Desaster bisher nur durch die treuen Anhänger der Marke Nintendo verhindert.

Dementsprechend sauber lief dann auch der Rest der Präsentation ab. Bekannte und neue Titel wurden im Detail von den Entwicklern vorgestellt und weitere Sketches rundeten das Programm ab. Die drei großen Highlights waren sicherlich der neueste Schwung an Infos zum derzeit in aller Munde befindlichen vierten Super Smash Bros.-Teil (dessen 3DS-Ableger leider etwas später als erhofft erscheinen wird, nun aber immerhin einen festen Termin hat), die neue IP (hört hört!) namens Splatoon und natürlich die Enthüllung des neuesten Zelda-Teils für Wii U. Letzterer entsprach nach bester Nintendo-Manier natürlich nicht der vor ein paar Jahren vorgestellten Tech-Demo, kommt dafür aber mit einer an die Werke von Studio Ghibli erinnernden, wunderschönen Bilderbuch-Grafik daher. Die Tatsache, dass eine der großen Schwächen von Skyward Sword, nämlich die fragmentierte Oberwelt, augenscheinlich der Vergangenheit angehört und erste Andeutungen darauf, dass von Steampunk inspirierte Technologie frischen Wind in die Welt von Hyrule bringen wird, lassen schon einmal hoffen. Interessant war auch die Diskussion von Fans darüber, ob es sich bei dem Link aus dem kurzen Trailer um einen Jungen oder ein Mädchen handle. Eine durchaus berechtigte Frage in Anbetracht der Vielzahl an weiblichen Neuzugängen in Smash Bros., der Aonuma jedoch jeglichen Wind aus den Segeln nahm.

So gelungen das Digital Event im Vergleich zum letztjährigen Nintendo Direct auch war, zum Vorreiter für den Rest der Branche wurde Nintendo erst mit dem, was danach kam. Mit dem „Smash Bros. Invitational“, einem von Nintendo organisierten und von erfahrenen Spielern bestrittenen Turnier, erlangte das Publikum nicht nur einen tiefgehenden Einblick in das heiß ersehnte Spiel, sondern es wurde auch ein weiteres Mal deutlich, wie nahe Nintendo seiner Fan-Gemeinde derzeit steht. Währenddessen wies man mit „Nintendo Treehouse Live @ E3“ den Weg für zukünftige E3-Messen, indem Nintendo die restlichen beiden Tage, an denen es zuvor meist nicht mehr viel Neues für die Fans vor den Computer-Bildschirmen zu entdecken gab, umfangreiche und interessante Live-Einblicke in die angekündigten Titel über den Äther streamte.

Man kann also sagen, dass die diesjährige E3 für Nintendo ein voller Erfolg war, besonders im Vergleich zu den Vorjahren. Natürlich konnten nicht alle Wünsche erfüllt werden. Von einem Metroid fehlt weiterhin jede Spur, Miyamotos neuer Star Fox-Titel befindet sich noch im Säuglingsstadium (ist bei EAD aber in besten Händen) und man fragt sich, wie oft Nintendo noch auf Majora’s Mask anspielen will, ohne ein Remake anzukündigen. Auch ist es schade, dass nur wenige der interessanten Titel noch dieses Jahr erscheinen, wobei mit Bayonetta 2 (und 1!) und dem 3DS-Smash Bros. zumindest zwei Hochkaräter für den Herbst in den Startlöchern stehen. Nintendo scheint immerhin endlich seine Konsequenzen aus den Wii U-Zahlen gezogen zu haben und gibt nun alles, um in der Videospiel-Industrie mithilfe hochwertiger Software wieder Fuß fassen zu können. Nach dieser E3 wünsche ich Nintendo umso mehr, dass dieses Vorhaben gelingt.