Wie viele andere Fans habe auch ich in den letzten Wochen mit Spannung jeder einzelnen Info zu den neuen Super Smash Bros.-Teilen für den Nintendo 3DS und die Wii U nachgejagt. Nun, da die Handheld-Version des Kultprüglers in japanischen Regalen steht, scheint der schier unendliche Hype ein Ende zu finden. Oder etwa doch nicht? Worauf wir uns noch freuen dürfen und warum ich von dem Spiel bisher mehr als beeindruckt bin, möchte ich in diesem Artikel besprechen. Dabei werde ich auf einige Spielgeheimnisse eingehen, das heißt: SPOILER-WARNUNG!

Masahiro Sakurai, Kopf des Entwicklerteams der neuen Smash Bros.-Spiele, wurde in den letzten Wochen und Monaten von Nintendos Fan-Gemeinde gleich einer Gottheit verehrt. Verständlich, wenn man bedenkt, wie er seine nach Infos lechzenden Fans in genau den richtigen Abständen mit neuen Details und Enthüllungen fütterte und dabei so manche Frage unbeantwortet ließ, was in so manchem Videospiel-Forum immer wieder heiße Debatten auslöste.

Eigentlich hatte ich mir nach dem Release von Super Smash Bros. Brawl für die Wii vorgenommen, beim nächsten Smash den Spoilern möglichst aus dem Weg zu gehen. Damals war ich zwar den „Dojo“-Updates gefolgt, das Bombardement an Enthüllungen nach der Veröffentlichung in Japan traf mich jedoch unvorbereitet. Die Wartezeit bis zum Europa-Release hatte zur Folge, dass ich bereits bestens über die Geheimnisse des Spiels informiert war, als ich endlich selbst Hand anlegen durfte.

Die guten Vorsätze hatten sich auch dieses Mal schnell erledigt, nachdem die Miiverse-Updates von Sakurai immer interessanter wurden und ich anfing, den Diskussionen in NeoGAF zu folgen. Die von den Usern gern als „Hype Train“ bezeichnete Ekstase vor und nach großen Enthüllungen zog mich in ihren Bann, sodass ich nach den ersten Leaks beschloss, dass Vorfreude doch die schönste Freude ist und es sowieso zwecklos wäre, bis zum Deutschland-Release des 3DS-Ablegers allen weiteren Infos auszuweichen.

Folglich liefen bei mir am gestrigen Tag mehrere Twitch-Streams, die Eindrücke aus der japanischen Demo-Version zeigten (für kaum ein anderes Spiel hätte es wohl eine derartige Nachfrage nach Videos von einer Demo mit fünf Charakteren und nur einer Stage gegeben) und heute die Versuche der ersten Besitzer des Spiels, alle Kämpfer freizuschalten. In nur wenigen Stunden kommt der Hype Train also zum Stehen. Aber zum Glück ist da ja noch die Wii U-Version.

Als Zwischenfazit kann man wohl ziehen: Wie so oft gab es positive Überraschungen sowie Enttäuschungen. Bisher überwiegen aber zum Glück die positiven Eindrücke. Was die Enttäuschungen angeht, so kann man über das Fehlen einiger liebgewonnener Charaktere aus den vorherigen Teilen nur schwer hinwegsehen. Schade, dass man weder Mewtu nach seiner Abwesenheit in Brawl in die Kämpferriege zurückgeholt hat und man vorerst weder Wolf noch Lucas wiedersehen wird (vor allem letzterer Kämpfer wird mir persönlich sehr fehlen). Man hätte erwarten können, dass es die erste Priorität der Entwickler gewesen wäre, alle Veteranen aus den vorherigen Teilen ins neue Spiel zurückzuholen. Doch offensichtlich war man beim Entwicklerteam ganz auf neuen Content aus. Dies hat natürlich auch seine positiven Seiten, denn noch nie gab es so viele grundverschiedene und interessante Kämpfertypen, von Rosalina mit ihrem separat agierenden Luma, über Little Mac mit seiner K.O.-Leiste bis hin zu Shulk und seinen Monado-Künsten (nicht zu vergessen die quirligen Neuzugänge Pac-Man und Duck Hunt). Auch die unglaublichen Möglichkeiten zur Anpassung der Kämpfer wissen nach den, gelinde gesagt, langweiligen Stickern in Brawl zu begeistern und mit den Mii-Kämpfern und Palutena herumzuexperimentieren wird sicherlich für viele Stunden Spaß sorgen. Etwas ganz anderes sollte ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: Die 3DS-Version des Spiels sieht unheimlich gut aus und läuft absolut flüssig über die zwei kleinen Bildschirme. Während ich mir die Twitch-Streams anschaue, vergesse ich manchmal, dass ich nicht nur ein niedrig aufgelöstes Video der Wii U-Version vor mir habe.

In wenigen Wochen können auch wir Europäer das Spiel endlich in Händen halten. Und was dann? Wie gesagt, der Wii U-Teil kommt noch und es gibt sicher einen Grund dafür, warum Sakurai die beiden Teile gerne als „SSB4“ und „SSB5“ betitelt. Wir wissen noch längst nicht alles von dem hochauflösenden großen Bruder und es bleibt zu hoffen, dass dieser einige der schmerzhaftesten Eingeständnisse der 3DS-Version (wo sind die Ice Climbers und warum gibt es wieder fast identische Klon-Charaktere?) vergessen machen kann. Und wer weiß, die Möglichkeit von DLC nach Erscheinen des Spiels ist vorhanden, vor allem wenn man sich anschaut, was uns noch bei Mario Kart 8 erwartet. Bis dahin werden die Diskussionen über Ridleys Flügelspannweite und die Wahrscheinlichkeit eines Rhythm Heaven-Kämpfers weitergehen. Der Hype Train wird seine Reise in Kürze fortsetzen, bitte alles einsteigen!

(Eine letzte Anekdote noch zum Schluss: Während ich im Stream das erste Mal die neue (wundervoll gestaltete) Mother-Stage begutachten durfte, ließ sich ich eine Gänsehaut nicht vermeiden. Vielleicht sollte ich mein zweites Durchspielen von Earthbound (dank Virtual Console) fortsetzen, um mir die Wartezeit auf den 2. Oktober zu verkürzen…)