Wie es Pokémon zurück ins Bewusstsein von mir und Millionen anderer Menschen geschafft hat…

Pokémon GO

Kaum jemand hat den enormen Erfolg von Pokémon GO, der neuesten Smartphone-App aus dem Hause Niantic, vorhergesehen. Doch nun, da die Software in über 26 Ländern verfügbar ist, scheint die zweite große Pokémania nicht mehr aufzuhalten. Auch ich zähle mich inzwischen zur Riege der von Server-Problemen geplagten Hobby-Trainer, obwohl das Spielprinzip bei mir im Vorfeld überhaupt kein Interesse geweckt hatte. Nach meinem ersten Spaziergang, bei dem ich einige Pokéstopps abklapperte, kann ich allerdings voll und ganz nachvollziehen, warum die App auf derartige Begeisterung stößt. Die üblichen Routen, die man bei seinen täglichen Besorgungen einschlägt, haben dank Pokéstopps und im Gras raschelnden Monstern nun einen völlig neuen Reiz. So befindet man sich schnell in der paradoxen Situation, bei auf den Handybildschirm gerichtetem Blick zwar weniger auf seine Umgebung zu achten, dabei aber auf Details aufmerksam zu werden, die einem zuvor nie wirklich aufgefallen sind.

Dabei steckt in Pokémon GO kaum mehr „Spiel“ als in Miitomo. Wenn man überhaupt von Gameplay sprechen kann, fällt es zumindest sehr mager aus, bietet es doch nicht viel mehr als die Möglichkeit, einen Pokédex via Google Maps auszufüllen. Natürlich gibt es auch Arenen, die erobert werden wollen, allerdings wird gerade hier deutlich, wie wenig Nintendo bzw. Game Freak in die Entwicklung der App involviert gewesen sind. Die Art und Weise, in der die Kämpfe ablaufen, ist dermaßen unintuitiv, dass es keine Software in diesem Zustand auf eine Nintendo-Konsole geschafft hätte. Das gilt auch für diverse andere Spielelemente, die dem Nutzer in keiner Weise erklärt werden. Von den regelmäßigen Abstürzen und Ausfällen ganz zu schweigen. Dass so gut wie jede Aktion in der Software eine Antwort des Servers benötigt, hat sich in den ersten Tagen als großer Stolperstein erwiesen.

Und doch eroberte Pokémon GO in Rekordgeschwindigkeit die Herzen von Millionen Menschen. Und Grund hierfür könnte gerade die von mir bemängelte Simplizität der App sein: Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein traditionelleres Pokémon-Rollenspiel nicht denselben Erfolg gehabt hätte wie Pokémon GO. Die App erlaubt es all den im Laufe der Zeit aus der Pokémon-Franchise herausgewachsenen Nutzern, die Sammelwut ihrer Kindheit und Jugend noch einmal zu durchleben, allerdings in einem für die heutige Gesellschaft angepassten, verschlankten Gewand. Dass man bisher nur die ersten 151 Pokémon fangen kann, trägt zu einem großen Teil zum Nostalgiefaktor bei. Fraglich ist aber, ob Niantic die Spieler mit regelmäßigen Updates bei Laune halten können wird, oder ob die Zahl der täglichen Nutzer schon bald wieder drastisch sinkt. So oder so wird der unerwartete Erfolg von Pokémon GO Auswirkungen auf Nintendos Zukunft haben. Die Veröffentlichung einer der größten Franchises des japanischen Videospielriesen auf der am meisten verbreiteten Plattform hat sich als Erfolgsrezept erwiesen und wird einige hohe Tiere zum Nachdenken anregen. Wird sich Nintendo bald verstärkt auf den Smartphone-Markt konzentrieren? Könnte diese Sparte zu einem lukrativen Nebenfeld werden und damit größere Budgets für kommende Konsolentitel ermöglichen? Und wie viel Sinn macht die Herstellung von Konsolen eigens für selbstentwickelte Software jetzt noch, da auf eindeutige Weise demonstriert wurde, wie hoch der Wert von Nintendos Franchises tatsächlich ist? Dies sind einige der Fragen, die sich Fans nun stellen.

Ich möchte mich allerdings nicht zu lange mit dem Thema Pokémon GO aufhalten. Nintendos aktuelle Situation und die möglichen Auswirkungen auf die Zukunft werden in diesem Video von Super Bunnyhop sehr eingängig beschrieben. Ursprünglich sollte dieser Artikel einen Namen in der Richtung von „Mein zweiter Frühling mit der Pokémon-Reihe“ tragen. Denn auch ich bin ein ehemaliger Pokémon-Fan, der erst kürzlich wieder zur Franchise gefunden hat. Allerdings war nicht Pokémon GO der Grund, sondern Pokkén Tournament (hierzulande Pokémon Tekken).

Pokémon Tekken

Der Titel weckte vor allem deswegen mein Interesse, weil ich Anfang 2015 viel Zeit mit dem Online-Modus des vierten Smash Bros.-Ablegers verbrachte und mir ein vollkommen neues Kampfspiel aus dem Hause Nintendo, in dem alle Spieler bei null anfangen müssen, sehr gelegen kam. Allerdings wusste ich auch, dass ich mit vielen der vertretenen Pokémon nichts anfangen können würde, da ich mich seit der Silbernen und Goldenen Edition nur noch sporadisch mit der Franchise befasst hatte. Sozusagen als (Wieder-)Einstiegsdroge diente dann der „Free2Play“-Puzzler Pokémon Shuffle. Hier machte ich mich mit den Gesichtern der inzwischen eine astronomische Anzahl umfassenden Monster vertraut und fasste den Entschluss, es nochmal mit einem Teil der Hauptreihe zu versuchen.

Da sich ein Pokémon Z leider nicht materialisierte, versuchte ich mein Glück mit Y. Mir war bereits zu Ohren gekommen, dass der Schwierigkeitsgrad dieser Generation zu wünschen übrig ließ, daher versuchte ich mein Glück mit einem leicht angepassten „Nuzlocke“-Regelwerk. Damit traf ich meine persönliche goldene Mitte, was zu einem äußerst angenehmen Spielerlebnis führte. Trotzdem wurde mir bewusst, wie wenig sich in all den Jahren Gameplay-technisch getan hatte. Aufgrund dieser Tatsache bin ich noch etwas vorsichtig mit meinen Erwartungen an Pokémon Sonne und Mond, muss aber zugeben, dass die beiden neuesten Teile bisher eine gute Figur machen. Im Zuge meiner Neuentdeckung der Franchise wurde außerdem mein Interesse an der kompetitiven Szene geweckt. Aufgrund des damit verbundenen Zeitaufwands war es mir allerdings bisher leider nicht möglich, dort meine ersten Gehversuche zu wagen.

In der Zwischenzeit hat Pokkén Tournament/Pokémon Tekken ebenfalls seinen Weg in meine Wii U gefunden und auch mit diesem Titel bin ich sehr zufrieden. Zusammen mit Splatoon und Smash vervollständigt er inzwischen meine Online-Dreifaltigkeit für faule Abende vor dem Fernseher. Alles in allem kann man also sagen, dass mich die Pokémon-Reihe als Fan zurückgewonnen hat. Mit Spannung erwarte ich daher, was die Zukunft für die kleinen Biester bereithält.